LIVE Talk Musik als Geschenk
Prof. Dr. Christine Hoppe und Dr. Christoph Müller-Oberhäuser
LIVE Talk Musik als Geschenk
Blockseminar, Deutsch/Englisch, 2 SWS, 2 ECTS, 3 Plätze
Montags, 19–20:30 Uhr, Online und Präsenz
Beginn: 20.4.2026, Blocktag (in Präsenz!) am 26.6.2026
Fasanenstraße 1B, Raum 208
Achtung: Für Studierende der Fakultät Musik nicht als Studium-Generale-Leistung anerkennbar!
Anmeldung wie folgt:
1. https://my.udk-berlin.de/qisserver/pages/cm/exa/coursecatalog/showCourseCatalog.xhtml?_flowId=showCourseCatalog-flow&_flowExecutionKey=e1s1
2. Veranstaltungen der Fakultät Musik
3. Veranstaltungen in der Musikwissenschaft
4. Bitte die Veranstaltung heraussuchen.
„Es fehlt mir tatsächlich an dem Talent zum Schenken. […] Es verstimmt mich, aber ich kann nichts dagegen tun. Das [ist] eine Krankheit, gegen die man nichts einnehmen kann.“ Mit diesen Worten beklagte kein Geringerer als Arnold Schönberg gegenüber Alban Berg seine Unfähigkeit, anderen etwas zu schenken. Wahrscheinlich war und ist er mit diesem ‚Problem‘ nicht allein; zugleich hält es Menschen bis heute nicht davon ab, sich gegenseitig etwas zu schenken, auch Musik: Spätestens seit der Frühen Neuzeit belegt, dass Musik gewidmet und verschenkt wurde. Manche Musiker:innen waren regelrechte ‚Schenk‘-Expert:innen: Beethoven schickte Bekannten in Briefen kleine Kompositionen, die als „Briefmusik“ (Klaus Kropfinger) in die Geschichte eingegangen sind. Der junge Felix Mendelssohn Bartholdy schenkte Familienangehörigen zu Geburtstagen Kompositionen, bisweilen auch ganze Singspiele, die dann im häuslichen Kreis aufgeführt wurden. Franz Schubert spielte (angeblich) auf der Hochzeit seines Freundes Leopold Kuppelwieser am Klavier einen Walzer, der von der Familie als Geschenk (mündlich!) von Generation zu Generation weitergegeben wurde. In diesem LIVE Talk werden aktuelle Forschungen zu Musikgeschenken vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart vorgestellt. Musikinstrumente können dabei ebenso als Geschenke Verwendung finden wie Werke oder Aufführungen. Im Mittelpunkt stehen stets die mit dem jeweiligen Geschenk verbundenen Schenkpraktiken: Wie wird das Geschenk ‚überreicht‘? Wird das Geschenk erwidert, und wenn ja, wie? Wie wird es aufbewahrt und erinnert? Da Musik als Klang nur schwer dauerhaft verschenkt werden kann, ist eine Geschichte der Musikgeschenke und Widmungen immer auch eine Geschichte ihrer Trägermedien, die es ermöglichen, Musik zu bewahren und weiterzugeben. Vom handschriftlichen Notenblatt über den Notendruck bis hin zum Phonographenzylinder, der Playlist oder dem Musikinstrument – die Art und Weise, wie Musik über verschiedene Medien vermittelt wird, prägt nicht nur ihre Verbreitung, sondern auch das Verständnis von Musik als Geschenk.
Literaturhinweise:
Helmuth BERKING: Schenken. Zur Anthropologie des Gebens, Frankfurt a. M. 1996.
Boris VOIGT: „Musikalische Gaben und Geschenke“, in: Wolfgang FUHRMANN (Hg.), Musikleben in der Renaissance.
Zwischen Alltag und Fest. Teilband II: Räume der Musik (= Handbuch der Musik der Renaissance, 4/2), S. 339–349.
Rob C. WEGMAN: „Musical Offerings in the Renaissance“, in: Early Music 33 (2025), H. 3, S. 425–437.
Leistungsanforderung: regelmäßige, aktive Teilnahme.
Prof. Dr. Christine Hoppe ist seit April 2023 Juniorprofessorin für Musikwissenschaft|Gender an der Universität der Künste Berlin. Nach ihrem Studium der Deutschen Sprache und Literatur sowie der Musikwissenschaft in Rostock und an der Pariser Sorbonne IV ((Magisterarbeit im Fach Deutsche Literatur bei Prof. Dr. Helmut Lethen & Prof. Dr. Moritz Baßler) war sie zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft in Rostock tätig, bevor sie zwischen 2008 und 2022 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Historische Musikwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen forschte und lehrte. Hier entstand auch ihre Dissertation „Der lange Schatten Paganinis: Virtuosität in den Kompositionen Heinrich Wilhelm Ernsts“ (2012), für die sie den Preis des Stiftungsrats der Universität Göttingen erhielt. 2016/17 war sie Vertretungsprofessorin für Kulturelle Musikwissenschaft (2016/17) an der Universität Göttingen, zwischen 2019 und 2022 zudem als Lehrbeauftragte an der Universität Kassel (2019–2022) tätig.
Christine Hoppe blickt aus einer kulturwissenschaftlich offenen Perspektive auf Musik: Für sie bedeutet Musik weitaus mehr als Klang und Komposition – sie versteht musikbezogene Praktiken als soziale und kulturelle Begegnungsräume, in denen künstlerische Schöpfungen und alltägliche Erfahrungen gleichermaßen verhandelt werden. Musik ist für sie Ausdruck und Resonanz von Zeit und Gesellschaft, Bühne für Identitätsfindungen und Spiegel gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.
Dr. Christoph Müller-Oberhäuser studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln sowie an der Universität zu Köln Musik und Geschichte auf Lehramt. Im Januar 2020 wurde er im Fach Musikwissenschaft mit einer Arbeit zur Geschichte der Chorwettbewerbe im 19. und frühen 20. Jahrhundert an der Universität zu Köln promoviert. Er war Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, ein Auslandssemester verbrachte er an der KU Leuven in Belgien. Sein Dissertationsprojekt wurde von der DFG gefördert. Nach Abschluss der Dissertation wechselte er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Osnabrück, seit dem 1. Oktober 2020 lehrt und forscht er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der UdK Berlin. Seine Interessengebiete umfassen die Sozial- und Kulturgeschichte der Musik des 19. bis 21. Jahrhunderts, musikbezogene Konkurrenzen/Musikwettbewerbe, Männlichkeitsforschung sowie die Beziehung zwischen Musik und verschiedenen Bildmedien. In seinem Habilitationsprojekt beschäftigt er sich mit Musiktheater mit zeitgeschichtlicher Thematik auf europäischen Bühnen. Seit dem 1. Oktober 2025 ist er Fellow des "Jungen ZiF" (= Zentrum für interdisziplinäre Forschung) der Universität Bielefeld.