Von Samba bis Gamelan: Musikwettbewerbe als globales Phänomen

Dr. Christoph Müller-Oberhäuser
Von Samba bis Gamelan: Musikwettbewerbe als globales Phänomen
Seminar, Deutsch/Englisch, 2 SWS, 2 ECTS, 5 Plätze
Montags, 16–18 Uhr, ab 20.4.2026
Fasanenstraße 1B, Raum 212
Achtung: Für Studierende der Fakultät Musik nicht als Studium-Generale-Leistung anerkennbar!

Anmeldung wie folgt: 
1. https://my.udk-berlin.de/qisserver/pages/cm/exa/coursecatalog/showCourseCatalog.xhtml?_flowId=showCourseCatalog-flow&_flowExecutionKey=e1s1
2. Veranstaltungen der Fakultät Musik
3. Veranstaltungen in der Musikwissenschaft
4. Bitte die Veranstaltung heraussuchen

Musikwettbewerbe gibt es heute nicht nur in Europa in fast jedem Genre, sondern in allen Teilen der Welt: Ghanaische Gospelchöre messen sich miteinander ebenso regelmäßig im Wettstreit wie brasilianische Sambagruppen, Calypsonians in Trinidad oder Gamelan Ensembles in Indonesien. Daneben gibt es zum einen Wettbewerbsformate, die durch die Berichterstattung in den Medien heutzutage global wahrgenommen werden, z. B. der Eurovision Song Contest, an dem seit einigen Jahren sogar Australien teilnimmt und der zuletzt in den USA (American Song Contest) und in dem von Russland neu aufgelegten Intervision Song Contest Nachahmer gefunden hat. Zum anderen werden in manchen Bereichen nach dem Vorbild des Sports systematisch internationale Meisterschaften veranstaltet, z. B. unter Brass Bands (u.a. European Brass Band Championships) oder Chören (vgl. die World Choir Games). Wettbewerbe sind also zweifelsohne ein globales Phänomen. In diesem Seminar soll anhand von Wettbewerbsformaten aus aller Welt drei Fragenkomplexen nachgegangen werden: Erstens ist im Vergleich der Wettbewerbe nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten zu fragen. Wie wird der Wettbewerb jeweils gestaltet, welche Interessen verbinden die verschiedenen Gruppen der Beteiligten mit ihnen (die Organisator:innen, Juror:innen, Teilnehmenden, Zuhörenden)? Zweitens ist zu fragen, wie sich die Wettbewerbe in den unterschiedlichen Weltteilen gegenseitig beeinflussen. Welche Auswirkungen haben z. B. die seit dem Jahr 2000 weltweit adaptierten Casting Show-Formate auf das Wettbewerbswesen auch in anderen Musikbereichen? Lässt sich im Wettbewerbswesen allgemein eine kulturelle Dominanz Europas und Amerikas feststellen oder gibt es regionale Wettbewerbstraditionen, die sich von den europäisch-amerikanischen Formaten deutlich unterscheiden? Und schließlich: Welche Auswirkungen haben Wettbewerbe auf die Musik, die bei diesen Wettbewerben erklingt? Ist z. B. der oft beklagte Effekt einer Standardisierung des Repertoires durch Wettbewerbe tatsächlich feststellbar?

Literaturhinweise:
Dietrich HELMS: „Von Marsyas bis Küblböck. Eine kleine Geschichte und Theorie musikalischer Wettkämpfe“,
in: ders. und Thomas PHLEPS (Hg.), Keiner wird gewinnen. Populäre Musik im Wettbewerb (= Beiträge zur Popularmusikforschung, Bd. 33), Bielefeld 2005, S. 11–39 (online verfügbar unter: https://www.transcript-verlag.de/978-3-89942-406-5/keiner-wird-gewinnen/).
Lisa MCCORMICK: Performing Civility. International Competitions in Classical Music, Cambridge 2015.
Christoph MÜLLER-OBERHÄUSER und Tobias WERRON: „Interdisziplinäre Perspektiven einer Erforschung musikbezogener Konkurrenzen“, in: Die Tonkunst 15 (2021), S. 248–260.
Klaus NÄUMANN u.a. (Hg.): Musikalische Wettstreite und Wettbewerbe (= Musik | Kontexte | Perspektiven, 9), München 2018.

Leistungsanforderung: regelmäßige, aktive Teilnahme.
 

Dr. Christoph Müller-Oberhäuser studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln sowie an der Universität zu Köln Musik und Geschichte auf Lehramt. Im Januar 2020 wurde er im Fach Musikwissenschaft mit einer Arbeit zur Geschichte der Chorwettbewerbe im 19. und frühen 20. Jahrhundert an der Universität zu Köln promoviert. Er war Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, ein Auslandssemester verbrachte er an der KU Leuven in Belgien. Sein Dissertationsprojekt wurde von der DFG gefördert.
Nach Abschluss der Dissertation wechselte er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Osnabrück, seit dem 1. Oktober 2020 lehrt und forscht er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der UdK Berlin. Seine Interessengebiete umfassen die Sozial- und Kulturgeschichte der Musik des 19. bis 21. Jahrhunderts, musikbezogene Konkurrenzen/Musikwettbewerbe, Männlichkeitsforschung sowie die Beziehung zwischen Musik und verschiedenen Bildmedien. In seinem Habilitationsprojekt beschäftigt er sich mit Musiktheater mit zeitgeschichtlicher Thematik auf europäischen Bühnen. Seit dem 1. Oktober 2025 ist er Fellow des "Jungen ZiF" (= Zentrum für interdisziplinäre Forschung) der Universität Bielefeld.