Ästhetische Begegnungen V: Musikalischer Geschmack. Individuelle musikalische Vorlieben und Abneigungen im Spannungsfeld von Intuition und Konstruktion
Dr. Gisela Linnen
Ästhetische Begegnungen V: Musikalischer Geschmack. Individuelle musikalische Vorlieben und Abneigungen im Spannungsfeld von Intuition und Konstruktion (mit freier musikalischer Gruppenimprovisation)
Blockseminar, Deutsch/Englisch, 1 SWS, 1-2 ECTS, 3 Plätze
Freitag, 8.5. und 22.5., Samstag, 9.5. und 23.5. freitags: 17:30–20:30, samstags 9:30–14:30 Uhr
Mierendorffplatz, Musiktherapie 2. Etage, Raum wird vor Ort bekannt gegeben
Achtung: Für Studierende der Fakultät Musik nicht als Studium-Generale-Leistung anerkennbar!
Anmeldung bis 2.5.2026 an g.linnen@udk-berlin.de.
Musikalischer Geschmack oder Stil entsteht und verändert sich als persönliches und epochales Phänomen im Verlauf der Zeit. Er wird konstruktiv durch bewusste Präferenzbildungen und damit verbundene ästhetische Positionierungen, aber auch intuitiv durch unbewusste Entscheidungsprozesse und Prägungen beeinflusst. Beide Phänomene weisen auf Auswahlprozess, Musterbildung und auf eine Unterscheidung von Vorlieben und Abneigungen hin.
Im Seminar wird dazu eingeladen, die Phänomene musikalischer Geschmack und Stil auf Basis individueller musikalisch-stilistischer Vorlieben zwanglos zu erforschen und mit Hilfe der ästhetischen Zugänge der freien musikalischen Gruppenimprovisation und musiktheoretischen Analyse ergebnisoffen auf materielle, strukturelle und Textur-Besonderheiten hin zu beleuchten. Als Grundlage eines persönlichen Geschmacks oder musikalischen Stils soll dabei auch ein Verständnis für das subjektive affektive Moment gewonnen werden, das auf musikalisches Handeln und Fühlen einwirkt.
Ziel des Seminars ist, individuelle und kollektive expressive Vokabularien zu entdecken, im musikalischen Kontext der freien Improvisation auszutauschen und zu entfalten und mit reflektierenden Gesprächen zu kombinieren. Wie auch in den vorangegangenen Seminaren wird sich dabei an Konzepten der Musiktherapie orientiert, die den Klang, das Tönen als narrativen Ausdrucksträger nutzen, um inneres Erleben – ins (Kunst-)Werk gesetzt – zu kommunizieren, gefahrlos zu explorieren und zu transformieren. Dieser ästhetische Spielraum bietet Platz für Eigenartiges, Unscharfes, Unsicheres, Paradoxes und Neues. Zusätzlich wird mit Hilfe von phänomenologischen und musiktheoretischen Ansätzen ermöglicht, Verbindungen zwischen musikalischen Strukturen und psychologischen Erfahrungen sichtbar zu machen.
Im Ganzen liegt der Fokus darauf, die Beziehungsverhältnisse, die in musikalischem Werk oder subjektivem Erleben als „Logik“ oder Gesetzmäßigkeit wirken, zu untersuchen, als Geschmacksgewebe abzutasten, mit Beispielen aus Musik und wissenschaftlicher Literatur musik- und kunsttheoretisch zu reflektieren und dadurch den Komplex „Musikalischer Geschmack/Stil“ kollaborativ auf Ebene von künstlerischer Rezeption, Produktion und Interpretation genauer zu beleuchten.
Es sind keine musikalischen Vorkenntnisse nötig. Es wird vielfältiges Instrumentarium zur Verfügung gestellt.
Leistungsanforderung:
Für 1 ECTS: Aktive und regelmäßige Teilnahme an allen Sitzungen. Zum Ende des Seminars soll eine formlose schriftlich angefertigte Reflexion der persönlichen Erfahrungen zum Seminarthema eingereicht werden (ca. 3 Seiten). Zur Anregung und Unterstützung wird ein pdf-Reader zur Verfügung gestellt.
Für 2 ECTS: Aktive und regelmäßige Teilnahme an allen Sitzungen. Zum Ende des Seminars soll eine Reflexion der persönlichen Erfahrungen zum Seminarthema in Form eines Essays (ca. 5 Seiten) eingereicht werden. Umfangreiche Lektüre des Readers wird vorausgesetzt.
Dr. Gisela Linnen
Studium der Fächer Musiktheorie, Musiktherapie und Klavier an der Universität der Künste Berlin, Promotion im Fach Musiktherapie (Dr. phil.) an der Uni Münster und Gastprofessorin für Musiktheorie an der UdK Berlin 2024 - 2025. Aktuell tätig als Lehrperson für Musiktheorie und Gehörbildung, außerdem als Gastdozentin für Forschung im Master of Arts Therapies an der Codarts hoogeschool voor de kunsten in Rotterdam sowie als klinische Musiktherapeutin in der ambulanten psychiatrischen, psychosomatischen und palliativen Versorgung in Berlin und Nürnberg. Besonderes Forschungsinteresse an freier musikalischer Improvisation, musikalischer Stilbildung und psychohistorischen Effekten.