Autor:innenschaft in der Musik: Konzepte, Kontexte, Kontroversen

Dr. Claudia di Luzio
Autor:innenschaft in der Musik: Konzepte, Kontexte, Kontroversen
Blockseminar, Deutsch/Englisch, 2 SWS, 2 ECTS, offen
Termine: 24.4., 16–19 Uhr, 30.5., 31.5., 20.6., 21.6., jeweils 10–17:30 Uhr.
Fasanenstraße 1B, Raum 212
Achtung: Für Studierende der Fakultät Musik nicht als Studium-Generale-Leistung anerkennbar!

Anmeldung wie folgt: 
1. https://my.udk-berlin.de/qisserver/pages/cm/exa/coursecatalog/showCourseCatalog.xhtml?_flowId=showCourseCatalog-flow&_flowExecutionKey=e1s1
2. Veranstaltungen der Fakultät Musik
3. Veranstaltungen in der Musikwissenschaft
4. Bitte die Veranstaltung heraussuchen

Das Seminar widmet sich Fragen musikalischer Autor:innenschaft von der Renaissance bis zur Gegenwart. Im Zentrum steht die Analyse historischer, ästhetischer und gesellschaftlicher Kontexte. Während sich das Bild der Autor:innenschaft in der frühen europäischen Musikgeschichte vielfach als ein aus der Anonymität hervorgehendes Konstrukt zeigt, dem nicht selten erst retrospektiv – etwa durch posthume Musikdrucke – historisch-kultureller Wert zugeschrieben wurde, geriet im 20. Jahrhundert die Vorstellung einer allein schöpferischen Autor:inneninstanz zunehmend unter Kritik. Stattdessen gewannen rezeptionsästhetische Ansätze und performative Perspektiven an Bedeutung. Daraus ergeben sich vielfältige Fragestellungen: Wie lässt sich heute von „Autor:innenschaft“ sprechen, wenn dem musikalischen Interpretationsprozess, der Aus- und Aufführung sowie der Rezeption durch Zuhörende zentrale Bedeutung zukommt? In welchem Verhältnis stehen Interpretation und Autor:innen- bzw. Urheber:innenschaft bei Bearbeitungen, Entlehnungen oder Neuschöpfungen auf der Grundlage älterer Werke oder von Materialien aus sogenannten populären Musikkulturen? Wie angemessen ist es, in kollektiven – auch interdisziplinären – kreativen Prozessen alleinige Autor:innenschaft einzelner Komponist:innen anzunehmen Wo ist die Autor:innenrolle in offenen Werken und in improvisatorischen Kontexten zu verorten, und in welchen Fällen ist vielmehr von Ko-Autor:innenschaft zu sprechen? Da Musik seit jeher tradiert, transformiert und transkulturalisiert wird, sind sowohl historische als auch gesellschaftliche Perspektiven zu berücksichtigen. Aufnahme-, Produktions- und Reproduktionstechnologien sowie ökonomische Verwertungskriterien verschieben und erweitern die Kategorie der Autor:innenschaft erneut. In jüngster Zeit stellt schließlich der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz bestehende Konzepte von Urheber: innenschaft grundlegend infrage – mit weitreichenden ästhetischen, rechtlichen und kulturellen Implikationen.

Literaturhinweise:
Michele CALELLA: Musikalische Autorschaft. Der Komponist zwischen Mittelalter und Neuzeit, Kassel 2014.
Nicholas COOK: Beyond the Score. Music as Performance, Oxford 2016.
Hermann DANUSER und Matthias KASSEL (Hg.): Wessen Klänge? Über Autorschaft in neuer Musik (= Veröffentlichungen
der Paul Sacher Stiftung, Bd. 12), Mainz 2017.
Kordula KNAUS und Susanne KOGLER (Hg.): Autorschaft – Genie – Geschlecht. Musikalische Schaffensprozesse
von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln 2013.
Ron MOY: Authorship Roles in Popular Music. Issues and Debates, New York, London 2015.

Leistungsanforderung: regelmäßige, aktive Teilnahme.

Dr. Claudia di Luzio ist Lehrbeauftragte an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität der Künste Berlin, der Universität Bonn, der Universität Trient, der Duke University in Berlin und an den Musikhochschulen von Bologna und Messina. Promotion in Historischer Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuvor Studium der Musik-, Theater- und Kunstwissenschaften, Schwerpunkt Musikwissenschaft, an der Universität Bologna. Stipendien und Preise: Villa I Tatti – The Harvard University Center for Italian Renaissance Studies, Deutsches Historisches Institut in Rom, Deutsches Studienzentrum in Venedig, Royal Holloway University of London, Paul Sacher Stiftung Basel, DAAD, Society for American Music.