Queer Berlin
Marko Hüsch & Lilith Unverzagt
Queer Berlin. Explorationen queerfeministischer Raumpraxis. Ein Panorama
Seminar, Deutsch/Englisch, 2 SWS, 2 ECTS, 5 Plätze
Freitags, 11:15 - 16 Uhr, zweiwöchentlicher Rythmus nach Bekanntgabe, Start: 17.04.2026 (13:30 - 15:45 Einführung)
Hardenbergstr. 33, Raum 336
Anmeldung mit kurzem Motivationsschreiben per Mail an: m.huesch@udk-berlin.de
Räume wirken als wesentliche Bezugspunkte für das eigene Sein. Vor allem für queere und FLINTA* Personen ist die Existenz von unabhängigen und selbstbestimmten Orten von hoher Bedeutung für die eigene Subjektbildung. Sie bieten Möglichkeiten des Austausches, des Empowerments und des Zelebrierens. Das Spektrum dieser Raumpraxis reicht von spontanen Improvisationen, kleinen Interventionen bis hin zu permanenten Architekturen. Physische Artefakte als auch regelmäßige Performanzen verorten wortwörtlich eigene Standpunkte und wirken über Konstanz und Sichtbarkeit in die Stadtöffentlichkeit.
Die zunehmende Kapitalisierung Berlins, die oft prekäre Finanzierung und die generelle Abhängigkeit von politischen Umständen erschweren, insbesondere für intersektional diskriminierte Gruppen, die Bedingungen für das Entstehen und das Bestehen genannter Räume. Auch der Einzug in die Geschichtsbücher des Mainstreams erfolgt entsprechend selten, sodass den Phänomenen oft eine gewisse Flüchtigkeit innewohnt. Das Wissen über die vergangene Existenz solcher Orte gerät somit selbst innerhalb queerer Gruppen oft in Vergessenheit und muss in eigener Initiative erarbeitet werden. Das Seminar soll hierzu einen Beitrag leisten und das reichhaltige Vorkommen vergangener, bestehender und imaginierter Momente in der Stadtstruktur Berlins sichtbar machen.
Zentral steht die Sammlung und das Kartieren eines gemeinsamen Fundus queerer Raumpraxis. Als Grundlage werden einleitend die Begriffsdimensionen von Queerness eruiert und anknüpfend verschiedene theoretische Ebenen von queerer Räumlichkeit diskutiert. Innerhalb dieses Referenzrahmens sollen ausgewählte Objekte analysiert, gezeichnet und in Form eines digitalen Guides in Routen zusammengestellt werden. Der Schwerpunkt soll hierbei auf der Untersuchung der architektonischen Ausprägung liegen: Welche baulichen Interventionen und gestalterischen Elemente werden vorgefunden ? Welche Relationen zum öffentlichen Raum werden ausgebildet ? Welche Repräsentationsformen, Bildsprachen und Codierungen werden benutzt ? Abschließend werden die Analysegegenstände in gemeinsamen Spaziergängen besucht und vor Ort präsentiert. Das Seminar versteht sich somit als nicht-frontal und nicht-linear und bezieht das aktive Forschen der Teilnehmenden als integralen Bestandteil mit ein.
Leistungsanforderung: regelmäßige, aktive Teilnahme.