Ästhetische Begegnungen VI: Wovon träumst Du? Wunsch und Wirklichkeit in Träume*n, musikalischem Prozess und persönlichem Erleben (mit freier musikalischer Gruppenimprovisation)
Ästhetische Begegnungen VI: Wovon träumst Du? Wunsch und Wirklichkeit in Träume*n, musikalischem Prozess und persönlichem Erleben (mit freier musikalischer Gruppenimprovisation)
Dr. Gisela Linnen
Blockseminar, 1 SWS, 1-2 ECTS, 3 Plätze
Freitag, 16.10. und 23.10.2026, Samstag, 17.10. und 24.10.2026
Freitags: 17:30 – 20:30, samstags 9:30–14:30 Uhr, Mierendorffplatz, Musiktherapie 2. Etage, Raum wird vor Ort bekannt gegeben
Anmeldung per Mail an g.linnen@udk-berlin.de.
Träum*en als erzählerische Figur und Vorgang zeigen sich in musikalischen Werken im Spannungsfeld von kompositorischer Konstruktion und semantischer Vermittlung. Sie erscheinen verortet in unterschiedlichen Dimensionen und Gattungen europäischer Musik, z.B. programmatisch oder als Formprinzip. Psychologisch gesehen bewegt/en sich Träume*n zwischen Fantasie und Realität, Bedürfnis, Wunsch und Angst, präsentieren sich im Schlaf oder als Tagtraum. Im Seminar wird dazu eingeladen, sich Träume*n als musikalisch-psychologischen Komplex zu erschließen, und sich dazu einerseits mit kompositorischen Organisationsprinzipien und Strategien zu befassen, die dazu eingesetzt werden, um einen Zustand des Träumens bzw. des Traums musikalisch zu inszenieren. Auf dieser Basis wird Raum gegeben, unterschiedliche Qualitäten des Ausdrucks und diverse Logiken der musikalischen Raum- und Formenbildung gemeinsam zu entdecken. Andererseits sollen allgemeine und besondere Parameter der psychologischen Wirkung im Dialog mit persönlichen Träumen mit Hilfe wissenschaftlicher Literatur genauer beleuchtet werden. Außerdem wird angeboten, Träume*n als Klanglandschaft, musikalisches Ereignis und inneren Zustand anhand von musikalischen Improvisationen in der Gruppe zu entdecken und genauer kennenzulernen. Ziel des Seminars ist, das Thema „Träume*n“ mit Beispielen aus Musik und wissenschaftlicher Literatur musik- und kunsttheoretisch zu reflektieren, aber auch in kollaborativen Werkprozessen der freien Improvisation zwanglos und ergebnisoffen abzutasten, zu erforschen und dabei außerdem den Fokus darauf zu legen, Traumformen und -inhalten der Seminargruppe sowie von einzelnen Teilnehmer*innen Platz zu bieten. Das bietet im Seminar auch die Chance, in der Gruppe daran zu arbeiten, träumerischen Situationen zu begegnen, sie miteinander im ästhetischen „Probehandeln“ zu gestalten und in Transformationsprozessen weiterzuentwickeln. Ergänzend dazu wird das Entdecken und Anwenden von expressiven Vokabularien mit Hilfe musiktheoretischer Reflexion individuell und kollaborativ in der Gruppe ermöglicht und vertieft. Mit der Ausrichtung des Formats wird sich in freien Improvisationsprozessen am ästhetischen Spielraum der morphologischen Musiktherapie/Psychologie orientiert, in dem der Klang, das Tönen als narrativer Ausdrucksträger genutzt wird, um inneres Erleben – ins (Kunst-)Werk gesetzt – zu kommunizieren und zu bearbeiten. Dieser ästhetische Spielraum bietet Platz für Erlebtes und Erwünschtes, Paradoxes und Neues und im verbalen Austausch diverse Möglichkeiten zur Reflexion sowie zur musiktheoretisch unterstützten Weiterentwicklung des individuellen musikalischen Verständnisses. Die Anzahl der Teilnehmenden ist auf 18 Personen begrenzt. Es sind keine musikalischen Vorkenntnisse nötig. Es wird vielfältiges Instrumentarium zur Verfügung gestellt.
Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein:
Für 1 ECTS: Aktive und regelmäßige Teilnahme an allen Sitzungen. Zum Ende des Seminars soll eine formlose schriftlich angefertigte Reflexion der persönlichen Erfahrungen zum Seminarthema eingereicht werden (ca. 3 Seiten). Zur Anregung und Unterstützung wird ein pdf-Reader zur Verfügung gestellt.
Für 2 ECTS: Aktive und regelmäßige Teilnahme an allen Sitzungen. Zum Ende des Seminars soll eine Reflexion der persönlichen Erfahrungen zum Seminarthema in Form eines Essays (ca. 5 Seiten) eingereicht werden. Umfangreiche Lektüre des Readers wird vorausgesetzt.
Gisela Linnen, Studium der Fächer Musiktheorie, Musiktherapie und Klavier an der Universität der Künste Berlin, Promotion im Fach Musiktherapie (Dr. phil.) an der Uni Münster. Aktuell tätig als Lehrbeauftragte, zuvor als Gastprofessorin für Musiktheorie an der UdK Berlin, außerdem aktuell als Gastdozentin für Musiktherapieforschung im Master of Arts Therapies an der Codarts hoogeschool voor de kunsten in Rotterdam sowie als klinische Musiktherapeutin in der ambulanten psychotherapeutischen und palliativen Versorgung in Berlin und Nürnberg. Besonderes Forschungsinteresse an freier musikalischer Improvisation, musikalischer Stilbildung und psychohistorischen Effekten.