QuerKlang: Kollektive Komposition als soziale Praxis

QuerKlang: Kollektive Komposition als soziale Praxis
Matthias Hinke & Kerstin Wiehe

Seminar, Deutsch, 2 ECTS, 2 SWS

Daten:
Einführungswoche: Mo.- Fr., 5.–9.10., jeweils 9–14 Uhr, Aula Hardenbergstraße 33
Reflexion 1: Samstag, 21.11. 10–13 Uhr
Reflexion 2: Samstag, 20.2. 10–13 Uhr
Voraufführungen: Freitag, 5.3. vormittags, Probensaal
Proben und Aufführungen:
HP´s und TE: Montag, 15.3. 9–13 Uhr, Probensaal
GPs: Dienstag, 16.3., 13–17 Uhr, Probensaal
UAs: Dienstag, 16.3. 18 Uhr, Probensaal
2. Aufführung: Mittwoch, 17.3., 18 Uhr, Probensaal
Abschlussreflexion: Samstag, 10.4. 10–14 Uhr (mit Schüler:innen - max. 4 pro Gruppe)
Wichtiger Hinweis: Die Teams arbeiten in der Regel in wöchentlichen Doppelstunden in der Schule

Anmeldung bis zum 30.9.2026 an: mail_ @querklang.eu.

QuerKlang ist eine Berliner Produktionsreihe, in der jährlich neue musik- und musiktheatrale Werke entstehen – kollektiv entwickelt und im Rahmen von MaerzMusik/Berliner Festspiele öffentlich uraufgeführt.
Der social turn, auf den sich QuerKlang bezieht, begreift Versammlung selbst als künstlerisches Medium. Nicht Kunst über Gemeinschaft, sondern Aktivierung als Kunst: Der Moment, in dem eine Gruppe anfängt, gemeinsam zu entscheiden, ist bereits das Werk. Diese Praxis gründet auf epistemischer Gerechtigkeit. Klangentscheidungen, Formfindung, szenische Setzungen gehören denen, die die Werke hervorbringen – unabhängig von institutionell zugeschriebenem ästhetischem Wissen. QuerKlang verweigert sich der Vorstellung, dass künstlerische Kompetenz eine Einbahnstraße ist, und versteht sich damit als dekoloniale Praxis: Wissen entsteht im Prozess, nicht vor ihm. Studierende der UdK arbeiten als künstlerische Prozessgestalter:innen. Sie entwickeln und erproben Konzepte, die die Gruppe in die Lage versetzen, sensibilisiert und selbstwirksam in den liminalen Raum ästhetischer Bereitschaft einzutreten – jenen Schwellenzustand, in dem kollektives künstlerisches Handeln überhaupt erst möglich wird. Sie aktivieren, halten und strukturieren diesen Raum, ohne ihn inhaltlich zu bestimmen. Erst innerhalb dieses Rahmens liegt die kompositorische Entscheidungsarbeit bei Schüler:innen aus unterschiedlichen Berliner Bezirken und sozialen Kontexten. Klangentscheidungen, Formfindung, szenische Setzungen – das alles gehört ihnen. Das ist eine anspruchsvolle künstlerische Aufgabe für beide Seiten: Wie gestaltet man einen Prozess, ohne ihn zu kolonisieren? Wie hält man Offenheit aufrecht, ohne Orientierung zu verweigern? Wie wird Konflikt produktiv, ohne ihn aufzulösen?
Der Kurs ist ausdrücklich interdisziplinär: Komposition, Klangkunst, Musiktheater, Performance, bildende Kunst etc. Was zählt, ist die Bereitschaft, künstlerische Autorschaft radikal neu zu verhandeln.

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein: regelmäßige und aktive Teilnahme, Arbeit im Team, Teilnahme an den Blöcken als auch in den Einheiten mit den Lerngruppen

Mathias Hinke schreibt für Ensembles und Orchester in Europa und Amerika, für Solisten und auch für Laien. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit gruppendynamischen Prozessen. Mathias engagiert sich schon seit dem Ende seines Studiums in pädagogischen Bereichen. Nach einer Gastprofessur unterrichtet er Komposition im Institut für experimentelle Musik an der UdK und ist Teil des Begleitteams von QuerKlang.

Kerstin Wiehe gründete kultkom, QuerKlang gUG und Kulturkontakte e.V. und initiierte QuerKlang und QuerKlang+. Arbeitsschwerpunkte sind schnittstellen- und genreüberschreitende kulturelle und auf Bildung bezogene Projekte sowie die Initiierung und Begleitung von Vernetzungs-, Denk- und Strukturprozessen. Themen sind u.a. experimentelle und neue Formen des Lernens und Lehrens, ausgehend von künstlerischer Praxis. Kerstin ist zertifizierte Systemische Organisationsentwicklerin und berät Kultur, Politik, Verwaltung, Netzwerke und Teams bei Veränderungsprozessen.