Antisemitismus und die Debatte um Postkolonialismus

Jahne Nicolaisen & Michael Spaney & Reza Zadeh (Mideast Freedom Forum Berlin) mit kooptierter Interessenschaft von Jürgen Schulz
Antisemitismus und die Debatte um Postkolonialismus
Seminar, Deutsch/English, 1 SWS, 1 ECTS, 35 Plätze
Termine:
29.01.2027, 10-15 Uhr, Hardenbergstr. 33, Raum 102
12.02.2027, 10-15 Uhr, Hardenbergstr. 33, Raum 102

Dieses Modul bietet eine kritische Auseinandersetzung mit postkolonialer Theorie im Hinblick auf aktuelle Diskurse über Israel und Antisemitismus. Die Teilnehmenden erwerben zunächst grundlegende Kenntnisse über Sozialkonstruktivismus und die Rolle von Begriffen in der Weltwahrnehmung. Anschließend werden Geschichte, Entwicklung und zentrale Konzepte des Postkolonialismus vermittelt – von den Ursprüngen im Kolonialismus über Dekolonisierungsprozesse bis zu gegenwärtigen theoretischen Strömungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der kritischen Analyse postkolonialer Perspektiven auf den israelisch-palästinensischen Konflikt. Das Modul untersucht, wie postkoloniale Konzepte auf diesen und andere Konflikte angewendet werden, und hinterfragt deren analytische Reichweite und moralische Implikationen. Dabei werden ihre Konstruktionsfehler, theoretische Verzerrungen und strukturelle Affinitäten zum Antisemitismus debattiert, ohne die Errungenschaften postkolonialer Theoriebildung aus den Augen zu verlieren. Die Teilnehmenden lernen zwischen anspruchsvollen postkolonialen Konzepten und problematischen Vereinfachungen, die historische Komplexität ausblenden und zur Delegitimierung Israels beitragen zu unterscheiden. Durch Quellenarbeit, Gruppendiskussionen und die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Texten werden die Teilnehmenden befähigt, postkoloniale Argumentationen kritisch zu reflektieren und deren Rolle in gegenwärtigen antisemitischen Diskursen zu erkennen.
Methoden: Inputvorträge, Gruppendiskussionen, Quellenarbeit
Dauer: 120 Minuten

Leistungsanforderungen: Aktive und vollständige Teilnahme sowie eine Aufgabe vor der letzten Sitzung.

Bei inhaltlichen Fragen können Sie sich gerne melden: seminar_ @mideastfreedomforum.org

 

 

Referenten des Mideast Freedom Forums Berlin (MFFB): Jahne Nicolaisen, Michael Spaney, Reza Zadeh:

Jahne Nicolaisen arbeitet als Programmdirektor und Referent im Projekt „Bildungsbaustein Israel“ und Referent im Projekt zur Antisemitismusprävention an der UdK Berlin. Seine Schwerpunkte sind die Themen Antisemitismus, Islamismus, Rechtsextremismus und Kritische Theorie. Nicolaisen hat seinen Master in Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin erworben. Zuvor studierte er im Bachelor Politikwissenschaft an der FU Berlin und an der Marmara Üniversitesi Istanbul.

Michael Spaney ist seit 2008 Vereinsvorsitzender und Direktor des MFFB sowie Referent im Projekt „Bildungsbaustein Israel“. Vor seiner Arbeit beim MFFB arbeitete Spaney als Fernsehjournalist sowie als Regisseur und Dramaturg an verschiedenen deutschen Theatern. Er veröffentlichte zuletzt eine Studie zum Israelbild in Berliner Schulbüchern (2023, siehe MFFB-Website) und den Aufsatz „Der Nahostkonflikt: Zerrbilder, Mythen und Fakten" in: Julia Bernstein (Hg.): Antisemitismus an Schulen in Deutschland. Befunde – Analysen – Handlungsoptionen, Verlagsgruppe Beltz, Weinheim 2020.

Reza Zadeh ist selbstständig in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig und im MFFB Bildungsreferent für das Projekt „Bildungsbaustein Israel“. Er hält Vorträge zu den Themen Iran, Islam, Faschismusanalyse, sowie Politische Theorie und gibt Workshops für Jugendliche zu den Themen Rassismus und Antisemitismus. Zadeh erwarb seinen Master in Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, an der er zuvor Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie studierte.