Gestaltung gegen Raumangst
Gestaltung gegen Raumangst
Prof. Dr. Ingeborg Harms
Blockseminar, Deutsch/Englisch, 2 ECTS, 2 SWS, 5 Plätze
Donnerstags, 12–17 Uhr, ab 22.10.26, Straße des 17. Juni 118, Raum 208
Anmeldung bis spätestens 20.10.2026
Als Sigmund Freud über das Unheimliche schrieb, analysierte er noch eine triebunterdrückte Gesellschaft. Unheimlich waren die sexuellen Impulse und Phantasien, die kultivierte Menschen aus ihrem Bewusstsein verdrängten. Ein Jahrhundert später ist diese Normierung verschwunden, das Unheimliche hingegen nicht. Es erfreut sich großer Beliebtheit in der Popkultur. Horrorclips sind allgegenwärtig. Die Creepypasta-Serie “The Backrooms” ist zum Youtube-Renner geworden. Sie erzählt von verwaisten Orten mit muffigen Zivilisationsrestbeständen, unerklärlichen Geräuschen und hohlen Wänden. Die neue Unheimlichkeit lauert jenseits der digitalisierten Welt als unübersichtliches, potentiell bedrohliches Rohmaterial. Während Autismus-Diagnosen steil ansteigen, fällt beherztes Handeln zunehmend schwer, Orientierung ohne Apps wird zur Herausforderung. Das Seminar beschäftigt sich mit der Raumangst im 21. Jahrhundert und deren Auswirkungen auf das Design. Was sagen Billighotels mit gestapelten Zimmerkapseln, Hauswände mit aufgeklebter Backsteinoptik und die Foodporn- Welle über den Stand des Anthropozäns aus? Welche Antworten gibt es auf das Ausbleichen der Umwelt, die Inflation der Nicht- Orte, die Flucht in Vintage-Bestände?
Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein: regelmäßige Teilnahme und ein mündliches Referat
Ingeborg Harms studierte Philosophie, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Marburg und Hamburg. Dort promovierte sie mit einer Arbeit über Heinrichs von Kleist frühe Dramen und lehrte im Anschluss im German Department der Yale University, im Department for Modern Languages an der Boston University, an der University of Virginia und am Germanistischen Seminar der Universität Bonn. Von 1997 an arbeitete sie als Freie Mitarbeiterin und Kolumnistin für die “FAZ". Sie schreibt regelmäßig für die "Vogue" und "Die Zeit" . Seit Anfang 2012 lehrt sie als Professorin für Designtheorie an der Berliner Universität der Künste.