Walter Benjamins Rundfunkarbeiten
Dr. phil. Birgit Erdle Wildmann
Walter Benjamins Rundfunkarbeiten
Seminar, Deutsch, 2 ECTS, 2 SWS, 6 Plätze
Mittwochs, ab 14.10.2026, 14–16 Uhr, Gebäude/Raum: EW 109, Hardenbergstrasse 36
Anmeldung: spätestens bis 14. Oktober 2026 an birgiterdle@aol.com.
Seit 1927 schrieb Walter Benjamin für den Hörfunk, das erste elektronische, auf der Übertragung von Audiosignalen basierende Massenmedium. Benjamin verfasste Hörspiele, Vorträge für Kinder und für Erwachsene, Dialoge, als „Hörmodelle“ bezeichnete akustische Szenenreihen, Buchbesprechungen, aber auch Texte über den Rundfunk. Seine Schreib- und Sprechtätigkeit für das Radio, von ihm gelegentlich als „Brotarbeit“ bezeichnet, war nach 1932 wachsendem Boykott ausgesetzt; sein letzter Hörtext: „Aus einer unveröffentlichten Skizzensammlung: ‚Berliner Kindheit um 1900‘“, wurde am 29. Januar 1933 gesendet, wenige Monate vor seiner Flucht aus Berlin. Im Seminar beschäftigen wir uns intensiv mit den uns überlieferten Texten seiner Sendungen. Eine leitende Frage wird sein, wie Benjamin die Möglichkeiten des Rundfunks als Medium, Technik und Verkehrsform reflektiert, wie er sie erprobt und mit ihnen experimentiert. Dabei geht es u.a. um Formen und Textstrategien, aber auch um die von Benjamin postulierte neue Dynamik zwischen Wissen und Öffentlichkeit. Darüber hinaus steht zur Debatte, inwieweit sich im Kontext der politischen Schwellenzeit von Weimarer Republik und Nationalsozialismus das Denken, die Gegenwartswahrnehmung und die Schreibpraxis Walter Benjamins aus seinen auf Mündlichkeit ausgelegten, flüchtigen Rundfunkarbeiten erschließen lassen. Dazu soll auch eine Querverbindung zu anderen Schriften Benjamins gezogen werden, die über die Verschränkung von Ästhetik und Politik nachdenken. Das Seminar steht allen interessierten Studierenden offen.
Leistungsanforderungen für den unbenoteten Leistungsschein: regelmäßige, aktive Teilnahme, Bereitschaft zur intensiven Lektüre.
Birgit R. Erdle, Dr.phil., Privatdozentin am Institut für Philosophie-, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Berlin. Sie war u.a. Kurt David Brühl Gastprofessorin am Centrum für Jüdische Studien an der Universität Graz (2020) und hatte den DAAD Walter Benjamin Chair an der Hebrew University of Jerusalem, Israel inne (2012-2018). Weitere Gastprofessuren an den Universitäten Wien, Frankfurt a.M., Augsburg, Atlanta (USA). Jüngste Publikationen: Intentionally left blank – Raum für Notizen. Materials and Forms of Notation in European Jewish Literature / Aufzeichnungsformen und -materialien in europäisch-jüdischer Literatur (hg. mit Annegret Pelz, 2019); Augenblicksaufzeichnung – Momentaufnahme. Kleinste Zeiteinheit, Denkfigur, mediale Praktiken (hg. mit Annegret Pelz, 2020); Ilse Aichinger Wörterbuch (hg. mit Annegret Pelz), 2021); Siegfried Kracauer reading Franz Kafka, in: What does Kafka have in common with Jews? ed. Mark H. Gelber, 2025.