Wer oder was gestaltet? Autorschaft, Wissen und Handlungsmacht in Design und Architektur
Fredericke Winkler
Wer oder was gestaltet? Autorschaft, Wissen und Handlungsmacht in Design und Architektur
Seminar, Deutsch, 2 ECTS, 2 SWS, 5 Plätze
Montags, Termine laut Ankündigung, Raum 336
Start: in Abstimmung
Anmeldung per Mail an t.harle@udk-berlin.de
Achtung: Für Studierende der Fakultät Architektur nicht als Studium-Generale-Leistung anrechenbar!
BA Module 12/13/14; MA Module 03/05 – Ebenfalls anrechenbar im Fach Kunst- und Kulturwissenschaften!
Die moderne Vorstellung schöpferischer Praxis verbindet Gestaltung häufig mit einem autonomen Subjekt, das Ideen entwickelt und diese in die Welt überführt. Doch gestalterische Prozesse entstehen nicht allein. Materialien widerstehen und ermöglichen, Werkzeuge prägen Entscheidungen, Wissen wird kollektiv erworben, Institutionen bestimmen Anerkennung und Technologien verändern zunehmend die Verteilung von Handlungsmacht. Das Seminar untersucht Gestaltung als relationalen Prozess und fragt nach den Grenzen individueller Autorschaft. Ausgehend von klassischen Vorstellungen des schöpferischen Subjekts werden unterschiedliche Formen von Wissen, Materialität, Kollaboration, Technologie und institutioneller Macht diskutiert. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Verantwortung und Autorschaft verändern, wenn Gestaltung nicht ausschließlich als Leistung eines einzelnen Menschen verstanden wird. Das Seminar bewegt sich dabei rund um sieben Kernthemen, die Autorschaft vorerst als Ordnungssystem von Wissen erfahrbar machen, um danach gemeinsam – in Anbetracht pluraler Perspektiven und junger Partizipationsbewegungen in der Gestaltung – eine Rekonstruktion zu versuchen.
Bibliographie:
- Appadurai, Arjun. „The Thing Itself“. Public Culture (Durham) 18, Nr. 1 (2006): 15–22. doi.org/10.1215/08992363-18-1-15.
- Barad, Karen. Meeting the Universe Halfway: Quantum Physics and the Entanglement of Matter and
- Meaning. Duke University Press, 2007. doi.org/10.1515/9780822388128.
- Barthes, Roland. „Der Tod des Autors“. In Texte zur Theorie der Autorschaft, herausgegeben von
- Fotis Jannidis, Gerhard Lauer, Matias Martinez, und Simone Winko. Reclam, o. J.
- Bauwens, Michel, Vasilis Kostakis, und Alex Pazaitis. „Peer to Peer: The Commons Manifesto“.
- University of Westminster Press, 2019.
- Becker, Howard Saul. Art Worlds. Univ. of Calif. Pr, 1982.
- Benjamin, Walter. „Der Autor als Produzent - Ansprache im Institut zum Studium des Faschismus in
- Paris am 27. April 1934“. In Der Autor als Produzent. Reclam, 2012.
- Bourdieu, Pierre. „Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital“. In Soziale
- Ungleichheiten, herausgegeben von Reinhard Kreckel. Soziale Welt Sonderband 2. Schwartz, 1983.
- Braidotti, Rosi. Metamorphoses: Towards a Materialist Theory of Becoming. Reprinted. Polity, 2002.
- Brinck, Ingar. „Craft Thinking - A Relational Approach to Making and Design“. In Craft and Design
- Practice from an Embodied Perspective, 1. Aufl., herausgegeben von Nithikul Nimkulrat und Camilla
- Groth. Routledge, 2024. doi.org/10.4324/9781003328018.
- D’Alisa, Giacomo, Federico Demaria, und Giorgos Kallis, Hrsg. Degrowth: A Vocabulary for a New
- Era. Routledge, 2015.
- Dommann, Monika. Autoren und Apparate. S. Fischer Verlag, 2014.
- Escobar, Arturo. Designs for the Pluriverse. Duke University Press, 2018.
- Foucault, Michel. „Was ist ein Autor?“ In Texte zur Theorie der Autorschaft, herausgegeben von Fotis
- Jannidis, Gerhard Lauer, Matias Martinez, und Simone Winko. Reclam, 2000.
- Haraway, Donna. „Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of
- Partial Perspective“. Feminist Studies 14, Nr. 3 (1988): 575. doi.org/10.2307/3178066.
- Ingold, Tim. Being Alive: Essays on Movement, Knowledge and Description. Routledge, Taylor and
- Francis Group, 2011. doi.org/10.4324/9780203818336.
- Nimkulrat, Nithikul. „Knowing together – experiential knowledge and collaboration“. Co-Design,
- 2020. doi.org/10.1080/15710882.2020.1823995.
- Polanyi, Michael. Personal knowledge: towards a post-critical philosophy. Routledge, 1997.
- Schön, Donald A. The Reflective Practitioner: How Professionals Think in Action. Basic Books, 2009.
- Spivak, Gayatri Chakravorty und Edition Diskord (Germany). „Can the Subaltern Speak?“: Die Philosophin 14, Nr. 27 (2003): 42–58.
https://doi.org/10.5840/philosophin200314275. - Viveiros De Castro, Eduardo. „On Models and Examples: Engineers and Bricoleurs in the Anthropocene“. Current Anthropology 60, Nr. S20 (2019): S296–308.
- doi.org/10.1086/702787.
Fredericke Winkler ist Modedesignerin, Designforscherin, Autorin und Expertin für Nachhaltigkeit in der Mode- und Kreativwirtschaft. Seit 2025 ist sie Head of Brand der Marke Villa Nova bei The Romo Group in Großbritannien. Zuvor leitete sie den Masterstudiengang „Sustainability in Fashion & Creative Industries“ an der AMD Berlin der Hochschule Fresenius und war als Head of Sustainability sowie Design Director bei Zimmer + Rohde tätig. Nach ihrem Diplom in Modedesign an der ESMOD Berlin/Paris studierte Winkler Design Studies an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Seit 2024 promoviert sie an der Universität der Künste Berlin. In ihrer wissenschaftlichen und beruflichen Arbeit beschäftigt sie sich insbesondere mit Nachhaltigkeit, kulturellen und sozialen Dimensionen von Gestaltung sowie den Transformationsprozessen der Mode- und Textilwirtschaft. Als freischaffende Redakteurin schrieb sie unter anderem für die Textilwirtschaft und den Tagesspiegel. Darüber hinaus war sie Mitgründerin der Agentur Beyond Berlin, Marketing- und Show Director bei THEKEY.TO Berlin sowie Gründerin des Berliner Belleville Store. Winkler ist Mitglied der Mode- und Textilkommission der Studienstiftung des deutschen Volkes. Ihre Publikationen erschienen unter anderem im Textildesign, in TW Home sowie im Sammelband Neue Ökonomie. Für ihren Beitrag „Hautnah“ wurde sie 2018 mit dem dritten Platz des Preises „Fachjournalistin des Jahres“ ausgezeichnet.