Performing Chatbots

Prof. Christiane Kühl & Prof. Chris Kondek
Performing Chatbots

Workshop, Deutsch/English, 2 SWS, 2 ECTS
6 Sitzungen, je 10-14 Uhr am Freitag, 7.6., UdK, Hardenbergstr. 33, Raum 101 (&151); Freitag, 21.6., Probenbesuch Ort tba.; Samstag, 22.6., UdK Hardenbergstr. 33, Raum 101&102; Freitag, 5.7., Probenbesuch Ort tba., Samstag, 6.7, UdK Raum 151 und am 13.7., Udk Raum 101 (&151)

Anmeldung auf Moodle beginnt am 15.04.2024:
https://moodle.udk-berlin.de/moodle/course/view.php?id=2247
Moodle Enrollment Key / Einschreibeschlüssel: bot

Info session online: April 26, 16 h via BigBlueButton
https://meetings.udk-berlin.de/b/flo-xuu-l4b-z4k

Als erster Chatbot der Welt gilt das 1966 vom deutsch-amerikanischen Informatiker Joseph Weizenbaum geschriebene Programm ELIZA. Benannt hatte er es nach der gleichnamigen Figur aus G.B. Shaws Schauspiel „Pygmalion“: ein armes Blumenmädchen, das ein ehrgeiziger Sprachwissenschaftler allein durch Sprechtraining „zur Herzogin machen“ will, also ihr einen höheren Status verschaffen. Der Versuch misslingt. Das Programm ELIZA hingegen war sehr erfolgreich darin, seine Umgebung durch Dialogfähigkeit über seinen Status zu täuschen – die wenigsten wussten zu unterscheiden, ob sie mit einem Menschen oder einer Maschine sprechen.

Knapp 60 Jahre später gehören Konversationen mit Chatbots zu unserem Alltag. Sie leiten uns durch Telefonsysteme, buchen Reisen oder dienen Menschen als Social Companion, wie etwa die App Replica. Mithilfe von KI werden sie täglich smarter und individueller. Sogenannte Large Language Models (LLM) wie ChatGPT können derweil nicht nur Dialoge führen, sondern auf Zuruf auch ganze Theaterstücke schreiben.

In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit den Illusions- und Realitätseffekten von Chatbots sowie mit ihren theatralen Qualitäten. Es geht um Wirklichkeitsnachahmung, Welterzeugung und vor allem den Chatbot im Rampenlicht. Wir beschäftigen uns mit der kurzen Geschichte von Bots in der Kunst, lassen uns in die Funktionsweise von Bots und LLM einführen und experimentieren mit ihnen. Wir versuchen Ideen zu entwickeln, wie Bots als Performer auf der Bühne eingesetzt werden können: als Fiktionsproduzent, Improvisationstalent, Regisseur, Spieler. Für die praktische Recherche besuchen wir Proben der Berliner Performance-Gruppe Interrobang, die unter dem Titel „Chatbot Challenge“ eine partizipative Live-Improvisation mit KI-Systemen für das das Spy On Me-Festival am HAU Hebbel am Ufer entwickelt.

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Studium-Generale-Schein: Regelmäßige und engagierte Teilnahme, Lust an Text und Technik, Ideenentwicklung und Umsetzung einer performativen Szene mit einem Chatbot (in Kleingruppen).

Christiane Kühl und Chris Kondek entwickeln seit knapp 20 Jahren gemeinsam Theater-Performances und Videoinstallationen, seit 2017 unter dem Namen doublelucky productions. Fokus ihrer Arbeit ist die praktische, ästhetische und inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Einfluss digitaler Infrastrukturen auf unsere Lebenswelt. Koproduziert vom HAU Berlin, Münchner Kammerspielen, Residenz Schauspiel Leipzig u.a. gastieren ihre mehrfach ausgezeichneten Arbeiten beim Kunstenfestival Brüssel, Festival Tokyo, Ob/Scene Seoul, Frascati Amsterdam, Brut Wien, NET Festival Moskau, Vaba Lava Tallinn, Teatre Lliure Barcelona, Tmuma Tel Aviv, The Jordan National Gallery of Fine Arts, re:publica, Impulse, Politik im Freien Theater usf. Seit Herbst 2023 teilen sie sich die Gastprofessur für Interdisziplinäre künstlerische Praxis und Theorie an der UdK. Mehr Informationen unter www.doubleluckyproductions.org.

Christiane Kühl lebt als Theatermacherin, Autorin und Redakteurin in Berlin. Ihr Interesse gilt der Beobachtung, Analyse und Beschreibung gesellschaftlicher Zusammenhänge, in dokumentarischen wie künstlerischen Formaten. Seit dem Wintersemester 2023/24 ist sie Gastprofessorin für Interdisziplinäre künstlerische Praxis und Theorie an der UdK. Nach dem Studium der Neueren Deutschen Literatur, Philosophie und Spanisch arbeitete sie als Kulturredakteurin für taz, Spiegel, radioeins u.a. 2004 gründet sie mit dem Videokünstler Chris Kondek die Performancegruppe doublelucky productions, die sich intensiv mit digitalen Medien und ihren Effekten auseinandersetzt. Daneben Zusammenarbeit mit Interrobang, Ant Hampton, Quarantine (UK). Mehr Informationen unter www.christianekuehl.de.

Chris Kondek, born in Boston in 1962, started as a video designer for theater in 1990 working with the New York Theater company The Wooster Group. In 1995 he began a multi-year collaboration with performance artist Laurie Anderson; in the late 90's he made video for productions by Robert Wilson, The Builder's Association and Michael Nyman. After moving to Berlin in 1999 Kondek established himself in the German Theater world, working with directors Stefan Pucher, Falk Richter, Jossi Wieler, Armin Petras among many others, as well as with choreographer Meg Stuart. In 2007 Kondek created video for the first of many opera productions with Sebastian Baumgarten. With director Lydia Styer he worked on Stockhausen's “Donnerstag aus Licht”, which was named production of the year 2016 by Opernwelt magazine. For his video work in theater Kondek received the OPUS/Deutscher Bühne Prize in 2008 and the Faust Theater Prize in 2012.