Artistic Tools for Conviviality
Nila Löber
Artistic Tools for Conviviality
Deutsch/Englisch, 2 ECTS, 2 SWS
Montags, 9-13 Uhr, 8 Termine: 19.10., 2.11., 16.11., 30.11., 14.12.2026, 11.1., 25.1. und 8.2.2027
Hardenbergstr. 33, Raum 110
Anmeldung: Da in dieser Veranstaltung eine persönliche Betreuung gewährleistet werden soll, ist die Teilnehmendenzahl beschränkt auf 16. Bei Interesse schicken Sie bitte ein kurzes Motivationsschreiben (ca. eine halbe Seite) an tools@nilafoto.com – eingescannte handschriftliche Einreichungen werden bevorzugt.
Voraussetzungen: eigener Laptop. Coding-Vorerfahrung nicht erforderlich, aber willkommen.
Wir bauen uns mit Hilfe von KI-gestützten Coding Agents unsere digitalen Tools selber, nach menschlichem Maß, theoretisch angelehnt an Ivan Illichs Begriff der Konvivialität, und lernen dabei den selbst alles andere als konvivialen Charakter der LLM-Technologie selbst kennen.
Ziel ist weniger, Kunstwerke an sich zu schaffen, sondern Werkzeuge zu entwickeln, die die eigene künstlerische Praxis erweitern, egal ob in Fotografie, Sound, Bildhauerei, Performance, Schreiben oder zeitbasierten Medien. Theoretische Vignetten ordnen das praktische Tun sowohl in zeitgenössische Diskurse zur sogenannten Künstlichen Intelligenz ein als auch in die verschiedenen Dimensionen der Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen in der zeitgenössischen Kunst. Das Seminar nimmt also eine paradoxe Position ein: Es nutzt KI-Werkzeuge, und nähert sich ihren Zukunftsversprechen gleichzeitig kritisch an. Am Ende des Seminars hat jede:r Teilnehmer:in mindestens ein eigenes Werkzeug entwickelt und es im Rahmen eines bestehenden Projekts oder eines im Seminar entstandenen Mini-Projekts angewandt, als Werk oder als Studie. Der Kurs richtet sich ausdrücklich an Studierende mit und ohne Erfahrung in der Softwareentwicklung. Erfahrenere arbeiten selbständig auf höherem Niveau weiter; Anfänger:innen werden vor allem bei den ersten Schritten begleitet. Zwischen den Sitzungen arbeiten alle eigenständig weiter. In der zweiten Semesterhälfte kommen die Werkzeuge und ihre Anwendungen zur gemeinsamen Werkstatt-Reflexion zurück: Code-Reviews, Präsentationen, Diskussion.
Literatur:
- Kate Crawford / Vladan Joler: Anatomy of an AI System (2018), Auszug.
- Timnit Gebru / Émile P. Torres: The TESCREAL Bundle, First Monday (2024), Auszug.
- Ivan Illich: Selbstbegrenzung. Eine politische Kritik der Technik (1975), Auszug.
- Eryk Salvaggio / Caroline Sinders / Steph Maj Swanson: Cultural Red Teaming. ARRG! and the Creative Misuse of AI Systems, Critical AI (2025), Auszug.
Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein: regelmäßige aktive Teilnahme; Entwicklung eines eigenen Werkzeugs und Anwendung in mindestens einem Werk oder einer Studie; zweiseitige schriftliche Reflexion zum eigenen Prozess.
Nila Löber, M.A., lebt und arbeitet in Berlin und ist seit 1996 in der IT tätig, wo sie jeden Hype von Dotcom-Blase bis AI miterlebt hat. Seit 2010 ist sie spezialisiert auf Informationssicherheit. Unter dem Namen nila löber knowledgework (nlkw.de) berät sie Organisationen zu Sicherheitsarchitektur, sicherer Softwareentwicklung und Coding-Agent-Sicherheit. Zu agentischer Coding-Praxis hält sie Vorträge, immer mit den breiteren sozialen und narrativen Kontexten im Blick. Magisterabschluss in Empirischer Kulturwissenschaft mit den Nebenfächern Philosophie und Informatik (Abschlussarbeit zu Imageboards und Meme-Kultur, 2009). Daneben verfolgt sie eine eigenständige künstlerische Praxis in Fotografie und browser-basierten Werkzeugen zwischen Code und Bild (nilafoto.com).