Gemeinsam analog Theater schauen - was sehen, erinnern, vergessen wir?

Anna Volkland
Gemeinsam analog Theater schauen - was sehen, erinnern, vergessen wir?

Seminar, Deutsch, 2 SWS, 2 ECTS
Seminartermine: Montags, 1. Termin am 29.4. von 18:15-19:45 Uhr, dann jeweils von 18:15-20:30 Uhr, am 6.5., 27.5., 10.6. (Raum 110), 24.6. (Raum 110), 8.7.2024, Hardenbergstr. 33, Raum 102 (neu!)
Theaterbesuche: jeweils Sonntagabend, bitte ab 18 Uhr einplanen, am 5.5., 26.5., 9.6., 23.6., 7.7.2024
(Da die Spielpläne größtenteils noch nicht veröffentlicht wurden, sind terminliche Abweichungen möglich, werden aber immer gemeinsam besprochen.)

Theater wird immer gemeinsam mit Anderen geschaut, aber entgegen der Idee vom ‚Theater als Raum der demokratischen Auseinandersetzung’ sprechen wir nur selten auch in einer Gruppe darüber und reflektieren, welche Gedanken und Empfindungen die Aufführungen jeweils ausgelöst haben. Dabei entfalten darstellende und performative Künste ihre Wirkung nicht nur in der unmittelbaren Gegenwart des Augenblicks, wenn sie von einem Publikum stumm bezeugt werden, sondern eben auch im Nachhinein, im individuellen und kollektiven Erinnern, im Erzählen, Befragen, Diskutieren. Im Seminar werden wir genau das tun – Theater gemeinsam schauen und das Erlebte (i.d.R. einen Tag später) auf verschiedene Weisen reflektieren.

Wir müssen hier einbeziehen, dass das menschliche Gedächtnis nicht unbedingt „konservativ“ arbeitet, sondern kreativ mit den gespeicherten Eindrücken umgeht. Erinnerungen verändern sich – und sie verändern sich eventuell stark durch den Austausch mit Anderen, die vermeintlich das Gleiche (etwa die gleiche Theateraufführung) erlebt, die aber doch Anderes und anders wahrgenommen haben, die anders und Anderes beschreiben. Woher kommen diese Unterschiede? Haben die Einen Recht und die Anderen müssen erst noch trainieren, „richtig“ zu schauen oder sich besser auszudrücken? Das Seminar geht davon aus, dass wir tatsächlich lernen und üben können, Theater in allen Formen zu schauen und unsere eigenen (selektiven) Wahrnehmungen zu reflektieren und mit Anderen zu teilen. Ums Rechthaben geht es hier nicht. Unterschiedliche Erfahrungen, Haltungen, Welt- und Kunstanschauungen und begründbare, respektvolle Bewertungen spielen eine wichtige Rolle – wir schauen alle verschieden, aber wir wollen uns darüber austauschen.

Der Fokus liegt auf dem sprachlichen Austausch, aber nicht ausschließlich. Alle Studierenden sind willkommen (grundlegende Deutschkenntnisse sind notwendig). Anwesenheit vor Ort zu allen Termin ist Voraussetzung für die erfolgreiche Seminarteilnahme, Nachholoptionen besprechen wir individuell.

Voraussetzung für die Teilnahme: Die Teilnehmer*innen müssen die Kosten der Theatertickets selbst tragen und jeweils im Voraus bezahlen. Die Karten werden für die Seminargruppe möglichst preiswert gekauft, i.d.R. für max. 10 Euro pro Person. Vorwissen zum Theater ist nicht notwendig, Aufgeschlossenheit aber Voraussetzung. Deutsch muss nicht perfekt beherrscht, aber doch grundlegend verstanden werden.

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Studium-Generale-Schein: Leistungsanforderungen für den unbenoteten Studium-Generale-Schein: Die Teilnehmer*innen sollten an allen Terminen körperlich und geistig anwesend sein. Wird aus unvermeidlichen Gründen ein Theaterbesuch verpasst, sollte er nach Möglichkeit nachgeholt (oder vorgezogen) oder ein Ersatz gesucht werden. Unvermeidliche Abwesenheiten sind mit der Dozentin immer möglichst rechtzeitig und ehrlich zu besprechen (möglichst immer auch per E-Mail).

Anna Volkland studierte Dramaturgie an der HMT Leipzig und Tanzwissenschaft an der FU Berlin. Sie arbeitet seit 2010 als freie Autorin für Theater und Tanz sowie als Dramaturgin (2010/11 feste Schauspieldramaturgin an den Städtischen Bühnen Osnabrück). Von 10/2014 bis 02/2020 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte und Theorie des Theaters an der UdK Berlin, wo sie zu forschen und zu unterrichten begann (u.a. mehrere Aufführungsanalyseseminare im S.G.). Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Geschichte von ‚Institutionskritik’ und Demokratisierungsversuchen im Stadttheater der BRD und DDR seit den späten 1960er Jahren, Feminismus und Rauminszenierungen im zeitgenössischen Theater. Seit 2020 selbstständig. Mehr Informationen unter www.annavolkland.com.