Amazofuturism: Technologische Utopien des Regenwaldes
Aliza Yanes Viacava
Amazofuturism: Technologische Utopien des Regenwaldes
Blockseminar, Deutsch/English, 2 SWS, 2 ECTS
Samstags, jeweils 10-16 Uhr, 5 Termine: 7.11., 14.11., 21.11., 28.11. und 5.12.2026
Hardenbergstr. 33, Raum 150
Anmeldung auf Moodle ab / Registration on Moodle begins 12.10.2026: https://moodle.udk-berlin.de/moodle/course/view.php?id=3322
Einschreibeschlüssel / Enrollment Key:amazon
Wie können wir uns die Zukunft des Amazonasgebiets in einer zunehmend technologisierten Welt vorstellen? Wer hat das Recht, sich diese Zukunft vorzustellen und darüber zu schreiben? Science-Fiction und der größte Regenwald der Welt vereinen sich im Begriff des „Amazofuturism" – einem literarischen Genre, das sich mit der Stellung des Amazonasgebiets in Zukunftsvisionen auseinandersetzt und dabei koloniale und festgefahrene Sichtweisen hinterfragt. Seit der Einführung des Begriffs im Jahr 2020 zur Bezeichnung einer aus Brasilien stammenden Strömung der bildenden Kunst hat sich das Konzept in der Science-Fiction-Literatur etabliert. Es wirft eine Reihe von Fragen darüber auf, wie man sich die Zukunft dieser Region vorstellt, insbesondere die Frage, wer (selbst im 21. Jahrhundert) das amazonische Subjekt ist. Handelt es sich um das indigene, das mestizische oder das urbane Subjekt? Wie viele mögliche Darstellungen des Amazonasgebiets gibt es und welche davon betont die Strömung des Amazofuturism besonders?
Ziel dieses Seminars ist es, uns dem Begriff des Amazofuturism anzunähern, zu erfahren, woher er kommt, wohin er sich entwickelt und wer seine bedeutendsten Vertreter:innen sowohl in der Literatur als auch in der bildenden Kunst sind. Dies erfordert wiederum, dass wir uns mit der Geschichte des Kolonialismus und des Extraktivismus in der Region, der Bedeutung der aktuellen Umweltkämpfe und der Frage auseinandersetzen, wie all dies in literarischen Werken und visuellen Darstellungen ästhetisch zusammenfließt. Während des Seminars werden wir Texte lesen sowie Dokumentarfilme sehen. Außerdem wird angestrebt, im Rahmen des Seminars ein Zoom-Gespräch mit einer Expertin für indigene Literatur in Brasilien zu organisieren. Für die Abschlusspräsentation werden die Studierenden aufgefordert, sich eingehend mit einem der im Seminar behandelten Themen zu befassen oder weitere Beispiele für zeitgenössische Darstellungen in der Science-Fiction aus anderen Teilen der Welt vorzustellen.
Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein / Fulfilment criteria for ungraded accreditation: aktive, regelmäßige Teilnahme, Textlektüre und Abschlusspräsentation.
Aliza Yanes Viacava hat einen Bachelor in Literaturwissenschaft an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos (Lima, Peru), sowie einen Master in Interdisziplinäre Lateinamerikastudien (FU Berlin) und einen Master in Kunst im Kontext an der UdK Berlin. Ihre künstlerische Praxis verbindet literarische Forschung, kreatives Schreiben, Vermittlung, Video und Performance. Ihre Arbeiten thematisieren vor allem die diskursiven Aspekte der historischen und kulturellen Beziehungen zwischen Lateinamerika und Europa. Sie übersetzt komplexe wissenschaftliche Inhalte in zugängliche Formate. Ihr Fokus liegt auf Spuren der Kolonialzeit, besonders in den Diskursen des 16. Jahrhunderts über Fabelwesen der sogenannten „Neuen Welt". Am Studium Generale leitete sie Seminare zu den Themen Eurozentrismus, lateinamerikanische Avantgarde und Mythen zur Zeit der Eroberung Amerikas.