Im Kältefieber: Eingefrorene Zukünfte auf einem schmelzenden Planeten

Romana Bund
Im Kältefieber: Eingefrorene Zukünfte auf einem schmelzenden Planeten

Blockseminar, Deutsch/English, 2 SWS, 2 ECTS
Termine: Freitag/Samstag, jeweils 10–18 Uhr am 23./24.10.2026 und am 30./31.10.2026, Hardenbergstr. 33, Raum 102
(Exkursionen innerhalb Berlins: Samstag, 24.10.2026, 14–16 Uhr | Freitag, 30.10.2026, 13:30–18 Uhr) 

Anmeldung auf Moodle ab / Registration on Moodle begins 12.10.2026: https://moodle.udk-berlin.de/moodle/course/view.php?id=3330
Einschreibeschlüssel / Enrollment Key: freeze

Während Gletscher, Polkappen und Permafrostgebiete weltweit schwinden, gewinnen energieintensive Kühlverfahren zunehmend an Bedeutung. Sie dienen dazu, Lebewesen, Nahrungsmittel oder Daten über lange Zeiträume zu bewahren. Kühlinfrastrukturen sichern globale Liefer- und Nahrungsketten, bewahren Saatgut sowie Blut- und Gewebeproben in Biobanken, lagern Eisbohrkerne als Archive vergangener Klimabedingungen und schützen Datenzentren vor Überhitzung. Niedrige Temperaturen versprechen, ausgewählte Formen menschlichen und mehr-als-menschlichen Lebens zu konservieren, zu verlängern und im Rahmen sogenannter Kryonik-Initiativen bis zur Wiederauferstehung auf Eis zu legen. Im Seminar untersuchen wir, welche Sehnsüchte in Kühl- und Kryotechnologien auf einem immer heißer werdenden Planeten zum Vorschein kommen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Verfahren des Kühlens und Einfrierens mit kolonialen, kapitalistischen und nationalstaatlichen Interessen verknüpft sind und welche Vorstellungen von Zukunft und (Über-)Leben sie hervorbringen. Anhand ausgewählter Texte, Objekte und Medien analysieren wir, wie niedrige Temperaturen die Grenzen zwischen Leben und Tod, Erhaltung und Verlust sowie Gegenwart und Zukunft im 21. Jahrhundert verschieben und neu ordnen.

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Schein / Fulfilment criteria for ungraded accreditation: Regelmäßige und aktive Teilnahme an den Einheiten, Lust an kollektiver Recherche, gemeinsame Lektüren, Entwicklung und Präsentation eines schriftlichen und/oder künstlerisch-forschenden Abschlussprojekts bis zur letzten Einheit.

Romana Bund hat im Sommersemester 2026 ihre kulturwissenschaftliche Promotion an der Universität Wien abgeschlossen. Ihre Dissertation befasste sich mythologischen Mischwesen in wissenschaftlichen Sammlungen, die mit gewaltvollen Geschichten menschlicher und mehr-als-menschlicher Überreste in Verbindung stehen. Sie war Mitglied des vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderten Doktoratskollegs Cultural Mobility Studies. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen materielle Kultur, Wissenschaftsgeschichte, Mobilitätsforschung, Environmental sowie Oceanic Humanities. Derzeit lehrt sie an der Kunstuniversität Linz zu Fragen des Auftauens und Einfrierens. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert sie sich in Ausstellungs- und Festivalkontexten und verbindet dabei wissenschaftliche Forschung mit kuratorischer und kultureller Praxis.