60 Jahre Oulipo

Dr. Phil Johanne Mohs
60 Jahre Oulipo

Online-Seminar, Deutsch/English, 2 SWS, 2 ECTS, 8 Plätze
Dienstags, 10-12 Uhr, wöchentlich ab 3.11.2020, Technische Universität, Online Treffen

Weitere Infos: isis.tu-berlin.de/course/view.php


Um Anmeldung bis spätestens 30.10. unter johanne.mohs_ @campus.tu-berlin.de wird gebeten.

1960 haben sich Raymond Queneau und François Le Lionnais zusammengetan und mit einigen Autoren und Mathematikern in Paris das Oulipo gegründet – kurz für Ouvroir de Littérature Potentielle, Werkstatt für potentielle Literatur. Seitdem entwickeln die Oulipiens in wechselnder Besetzung Schreibregeln, die sogenannten contraintes, und stellen sie der Allgemeinheit zur Verfügung. Als entschiedene Gegner von Inspirationskonzepten scheuen sich die Oulipiens nicht davor, vom Autor als einer „schreibenden Maschine“ zu sprechen und greifen auch gerne auf Algorithmen zurück, mit denen sie genaue Handlungsanweisungen oder Regelsysteme für den entstehenden Text festlegen. Literatur wird auf diese Weise zu einem Spiel mit Sprache, auf das sich Schreibende/r und Lesende/r gleichermaßen einlassen müssen.

Im Laufe des Semesters werden wir uns einige der contraintes erschließen, die Poetik des OuLiPo kennenlernen und nachvollziehen unter welchen technischen sowie literaturhistorischen Bedingungen sie sich entwickelt hat. Wir werden das avantgardistische Milieu erkunden, in dem das Oulipo entstanden ist, uns fragen, was oulipotische Schreibtechniken mit Puzzle- oder Schachspiel zu tun haben und uns über den Humor freuen, der, nicht zuletzt, dazu beigetragen hat, das Oulipo seit sechzig Jahren am Leben zu erhalten.

Johanne Mohs (*1981) studierte Romanistik, Kunstgeschichte und Journalistik an der Universität Hamburg und der Universitat de Barcelona. Von 2007 bis 2010 unterrichtete sie französische und spanische Literatur an der Universität Hamburg und seit 2010 arbeitet sie, zunächst als Doktorandin und dann als Post-Doktorandin, an der Hochschule der Künste Bern. Ihre Forschungsinteressen umfassen intermediale Bezugnahmen zwischen Literatur und Fotografie, Poetik der Avant-Garden (insbesondere Tel Quel und OuLiPo), Materialästhetik, Schreibprozesstheorien, kollaborative Schreibpraktiken, Todesdarstellungen und das Zusammenspiel von Kunst/Literatur, Technik und Wissenschaft.