Doktorand:innen

 

Susanne Haun

Das digitale Werkverzeichnis. Die Beziehung vom realen zum archivierten Werk

Betreuung: Prof. Dr. Barbara Wittmann

Ein digitales Werkverzeichnis gehört inzwischen zum Standard eines Künstler:innennachlasses. Es umfasst das Gesamtwerk einer Kunstschaffenden bzw. eines Kunstschaffenden. In ihrem Promotionsprojekt schaut Susanne Haun auf den Werkbegriff, der kleinsten Einheit eines Werkverzeichnisses, und beschäftigt sich mit der Frage, wo die Urheber- und Autorenschaft des Werkverzeichnisses liegt. In einem Werkverzeichnis wird kulturelles Erbe digital (durch Vernetzung) bewahrt. Sind jedoch digitale Archive und Vermächtnisse für die Ewigkeit ausgelegt? Welche Informationen zu einem Kunstwerk gehören generell in ein Werkverzeichnis? In Feldforschung schaut Susanne Haun auf die geringe Anzahl der schon bestehenden digitalen Werkverzeichnisse.

www.susannehaun.de/kunsthistorikerin

 

Lorenz Hegel

Cinema After Revolution(s): Reproduction, Communication, Affect

Betreuung: Prof. Dr. John MacKay (Yale), Prof. Dr. Alexander García Düttmann (UdK), Assoc.-Prof. Dr. Moira Fradinger (Yale),

Das Dissertationsprojekt untersucht infolge revolutionärer Ereignisse und Prozesse entstandene Filmpraktiken. Die historischen Fallstudien reichen dabei vom frühen sowjetischen Kino bei Sergei Eisenstein und Dziga Vertov bis zu Jean-Luc Godards, Jean-Pierre Gorins und Anne-Marie Miévilles Film- und Fernseharbeiten aus den Jahren nach 1968. Theoretisch geleitet wird die Arbeit von der Frage nach der Möglichkeit ästhetischer Reproduktion und Kommunikation revolutionären Affekts.

https://german.yale.edu/people/lorenz-hegel

 

Jenny Kellner

Freiheit als Anti-Ökonomie. Politik und Kunst nach Georges Bataille und Friedrich Nietzsche

Betreuung: Prof. Alexander García Düttmann

Mit ihrem Promotionsprojekt nimmt Jenny Kellner eine Aktualisierung der Nietzsche Lektüre des französischen Philosophen Georges Batailles vor. Neben der Fruchtbarmachung einer für die französische Debatte außerordentlich einflussreichen Rezeption, die in der deutschen Nietzsche-Forschung weitgehend ignoriert wird, leistet dieses Projekt eine systematische Neukonfigurierung der Begriffe des Politischen und der Freiheit in ihrem Verhältnis zu Kunst, Philosophie und Existenz. Ausgehend von Batailles Begegnung mit der Philosophie Nietzsches wird sein eigenwilliges Konzept der Souveränität rekonstruiert und auf seine Implikationen für ein neues Denken des Politischen und der Freiheit hin befragt. Ziel ist die Entwicklung eines anti-ökonomischen Denkens der Freiheit und einer Politik der Anti-Ökonomie. Die Autorin begibt sich hierbei auch auf die Suche nach einem experimentellen künstlerischen Zugang zum Text, der neben oder unterhalb der wissenschaftlich-analytischen Arbeit verläuft und einem Denken gerecht zu werden vermag, das den Rahmen diskursiver Rationalität notwendig überschreitet.

 

Lucas Jasper Kühne

Film als Medium der Rettung von Erfahrung im Werk von Benjamin, Kracauer und Debord

Betreuung: Prof. Alexander García Düttmann

In den Werken von Walter Benjamin, Siegfried Kracauer und Guy Debord kommt das Verhältnis von Film und Erfahrung paradigmatisch zur Darstellung. Die drei Autoren teilen die folgenden Grundannahmen: 1) In den modernen kapitalistischen Industriegesellschaften hat sich die Struktur von Erfahrung qualitativ gewandelt. 2) Dieser Wandel lässt sich als Entfremdung zwischen Mensch und Welt beschreiben. 3) Das filmische Medium ist vor diesem Hintergrund durch eine spezifische Dialektik gekennzeichnet: Einerseits soll ihm das destruktive Potential eignen, traditionelle Erfahrungsweisen aufzulösen; andererseits wird ihm das Vermögen zugesprochen, eine neue und spezifisch filmische Erfahrung erst zu ermöglichen und damit prekär gewordene Momente von Erfahrung zu retten. Im Anschluss an die Schriften der drei Autoren und in der Analyse von Debords Filmen möchte das Projekt einen Begriff filmischer Erfahrung entwickeln, der einen Beitrag zur Korrektur zeitgenössischer Erfahrungstheorien zu leisten vermag.

 

Hanna Magauer

Verorten im ,Innen‘: Postkonzeptuelle Kunstpraxis der späten 1970er bis frühen 1990er Jahre als Aushandlung von Zugehörigkeiten, untersucht am Beispiel von Philippe Thomas und seinem Umfeld

Betreuung: Prof Dr. Stefan Neuner, Prof. Dr. Julia Gelshorn (Uni Freiburg/CH)

Das Projekt untersucht postkonzeptuelle Kunst der „langen“ 1980er Jahre in Aushandlungsprozessen lokaler Verankerungen und internationaler (Selbst-)Verortung von Künstler*innen. Fokus liegt auf Kunst aus Frankreich, allen voran auf den Arbeiten des Pariser Künstlers Philippe Thomas (1951-1995), der sich ab Ende der 1970er mit einer Fortführung institutionskritischer Ansätze durch das konzeptuelle Sichtbarmachen von Freundschafts- und Berufsbeziehungen beschäftigte. Indem er u.a. mit seiner Agentur Readymades belong to everyone® seine Autorschaft an Sammler*innen abtrat, ließ er seinen eigenen Namen scheinbar aus den Distributionsnetzwerken zeitgenössischer Kunst verschwinden; gleichzeitig schrieb er sein Projekt gezielt in international prominente Kontexte ein, wie die der Institutionskritik und Appropriation Art in New York. In einer mikrohistorischen und kontextorientierten Untersuchung fragt die Arbeit nach Verhältnissen von künstlerischer Praxis, theoretischen Diskursen, Kunstweltzentrismen und sozialen/ökonomischen Relationen. Verbreitete Ansätze postmodernistischer Kunstpraxis der späten 1970er bis frühen 1990er zwischen Frankreich, den USA und Westdeutschland werden damit auf ihre spezifischen lokalen Situierungen hin untersucht.

 

Katharina Otto

Koloniale Castamalerei: von der natürlichen Ordnung zur Ordnung der Natur

Betreuung: Prof. Dr. Barbara Wittmann, Prof. Dr. Bettina Uppenkamp (HFBK)

Das Dissertationsprojekt untersucht Castagemälde des 18. Jh. in ihrer kunst- und wissenschaftshistorischen Dimension und im Kontext kolonialer ästhetischer Praxis. Als Genre an der Schwelle zur Moderne entstanden, stellt sich die Frage nach der Verortung des ikonographischen Programms zwischen Barock, später scholastischer Tradition und früher Aufklärung. Mit Blick auf die Rezeptionen der europäischen kunst- und naturphilosophischen Traditionen analysiert das Projekt die wechselseitigen transatlantischen Formationen von Diskursen und Bildgebungen des Mestizimus zwischen der „Alten Welt“ und Nueva España.

 

Viktoria Voigt

Die künstlerische Darstellung des nackten kindlichen Körpers um 1900 als ein Symptom sexueller und geschlechtlicher Identitätssuche

Betreuung: Prof. Dr. Barbara Wittmann

In einer über viele Jahrhunderte männlich-homosozial geprägten Künstlersphäre nahm Ende des 19./ zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Anzahl an Kunstwerken und Fotografien, welche den nackten kindlichen Körper sowie Kinder- und Jugendakte zeigten, erheblich zu. Dabei kommen in der Darstellung des nackten kindlichen sowie des nackten pubertierenden Körpers gleich mehrere Ebenen der Reibung zusammen, welche die Ordnung der Geschlechter, die Ordnung der Generationen sowie das Subjekt-Objekt-Verhältnis in der Künstler*in-Modell-Beziehung betreffen. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer bis heute anhaltenden Idee des romantischen Kindes, vom Ideal der Unschuld und deren Schutz, während sich Geschlechter neuordnen und der Lebensabschnitt der Unschuld durch Konflikte und Identitätskrisen der Geschlechter immer wieder ins Wanken geraten ist. In einer Untersuchung von Werken Paula Modersohn-Beckers und Ernst Ludwig Kirchners und deren Gegenüberstellung werden zwei unterschiedlichen Ansätze der sexuellen und geschlechtlichen Identitätssuche von Künstlerin und Künstler herausgearbeitet und dargestellt, inwiefern sie exemplarisch für Umsetzungen ihrer Zeit stehen bzw. richtungsweisend für nachfolgende Generationen nach dieser binären Unterscheidung sein sollten.