Jarmark Europa

Quelle: Filminstitut

Dokumentarfilm 

Minze Tummescheit erzählt die Geschichte russischer Kleinhändlerinnen, die ihre Waren – soviel sie nur bei sich tragen können – über Tausende von Kilometern per Bahn nach Warschau schaffen, um sie dort auf einem Basar anzubieten, der in einem aus den Trümmern der zerstörten Stadt errichteten Stadion stattfindet. Zur Zeit der Sowjetunion sind sie Chefärztin und Musiklehrerin gewesen, jetzt müssen sie ihre Familien von dem kleinen Mehrwert, den das ökonomische Gefälle zwischen den Welten abwirft, ernähren. Brest, Minsk, Smolensk, Moskau, Tula, Penza sind Stationen der Reise, die die Filmemacherin mit ihren Protagonistinnen mehrmals zurücklegt. 

Das Leben im Zug ist eine Welt für sich, die Grenzübertritte ein jedes mal neu zu überstehendes Abenteuer. Für Schmuggler und Verbrecher mit Geld leicht zu überwinden, für einfache Menschen nicht. Minze Tummescheit lässt sich ganz ein auf deren Schwierigkeiten und in ihren feinen Kommentaren kommen auch die des Filmemachens zu Wort. Wenn es zum Drehen zu gefährlich wird, ist das Bild schwarz und Minze Tummescheit erzählt, "Die Bilder, die ich nicht gemacht habe, sind leuchtender und kraftvoller als alles, was ich jemals hätte machen können." Dabei zeigt und erzählt uns der Film mehr, als wir uns je hätten denken können. Jahrelang hat die Autorin, Kamerafrau und Cutterin seit Mitte der 90er Jahre an dem Film gearbeitet, ohne geregelte Finanzierung. Einmal sagt sie im Film, mit einer üblichen Filmförderung wäre ihr Projekt auch gar nicht realisierbar gewesen, denn deren Regeln schließen Langzeitprojekte aus – und damit, wie "Jarmark Europa" zeigt, das sinnvollste Feld dokumentarischer Filmarbeit. 

Disc-Type: DVD-9
Länder-Code: 0
Bildformat: 4:3
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprache: RUS, PL, D, ENG
Untertitel: D, ENG
Screenmenüs: D, ENG
Gesamtlaufzeit: 115 Min.

www.cinemacopains.org 

Herausgeber: Filminstitut der Universität der Künste Berlin
Projektleitung: Gunter Krüger
Redaktion: Prof. Heinz Emigholz, Prof. Thomas Arslan
Designkonzept: Stephanie Piehl
Authoring: Gunter Krüger