Lilith Kautt, Entwurf zu „Gier“ von Sarah Kane, 2026

Quelle: Lilith Kautt © Lilith Kautt

Kappa, Spiegelfolie, Fake-Fur-Teppich und bemalter Sand, Stühle und Menschen aus PETG im 3D-Druck, Transparentpapier, Mähdrescher-Spielzeug

Weizenfeld wuchert in Bühne und Zuschauerraum begrenzt
durch Erde. Die Zuschauenden gehen durch enge Feldwege, um
zu ihren Sitzplätzen zu kommen. Auf einer unsauber abgemähten
Fläche sitzen sie – inmitten reifen Weizens. Sie sind Teil des
Geschehens, aber nicht dazu aufgerufen, zu partizipieren.
Sondern als wären sie selber Getreide,
das beobachtet und teilhat, gepflanzt wird und gepflegt wird,
vergiftet wird, gerissen wird und wieder wächst.
Ein natürlicher Kreislauf, wie es scheint.
So wie Gewalt, Missbrauch, Trauma
in „Gier“ wie ein natürlicher Lauf der Dinge erscheint, der sich
von Generation zu Generation weitergibt und nur durch die
Sehnsucht und die Hoffnung
auf den nächsten Frühling zu ertragen ist.

Zwanzig Spielende – die vier Stimmen verkörpern – bewegen sich auf
dem Feld. Mal in Beziehung zueinander in eine Geschichte
verwickelt, mal für sich in Arbeit oder Einsamkeit?

Das Kollektiv,
was ignoriert, toleriert.
Das Kollektiv,
was sich gegenseitig Kraft gibt.
Das Kollektiv,
was Macht hat sowohl im Guten wie auch im Schlechten.
Das Leid der Einzelnen lebt in den Vielen.
Der Mähdrescher. Ein Symbol patriarchaler Gewalt.
Aber: Enteignet von den Überlebenden.
Genutzt als Intervention.
Er zwingt den Text zu einer Unterbrechung.
Wenn er für mich zu unerträglich wird.
Dann werden die Früchte harter Arbeit geerntet.
Und hinterlassen werden wir in einer Brache.
Die aber ehrlicher ist als romantische Bilder vom lustigen Landleben:
Tradition und Fruchtbarkeit.
Patriarchat und Kapitalismus als unsere Mutter Erde.
Naja. Und am Ende spielt wer Mundharmonika.
Denn ich mag nicht die Dystopie.
Ich glaube an den Frühling.

 

Lilith Kautt studiert Bühnenbild bei Prof. Janina Audick.
Die Arbeit war Mitte Februar Teil der Klassenausstellung
im Ballhaus Ost. @audick_udk_buehnenbildklasse