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Lesen Sie hier die zweiunddreißigste Ausgabe des journals.
Kraft ist im kreativen Prozess eine innere Bewegung – ein Aufbrechen, ein Drängen, ein Widerstand gegen die Form, einen Rahmen, ein Thema. Sie zeigt sich in jenen Momenten, in denen etwas Gestalt annimmt: zwischen Idee und Materie, Stillstand und Geste. Die gestalterische Kraft entsteht durch Reibung, statisch ist sie nie. Sie ist erfahrbar in der Linie, die bricht, im Ton, der kippt, im Material, das sich widersetzt. Gerade durch diesen Widerstand entsteht Spannung, entsteht Bedeutung. Künstlerische Arbeit bewegt sich in ebendiesem Feld der Gegenkräfte – zwischen Wille und Zufall, Beherrschung und Aufgabe. In der Geste des Gestaltens wird das Unsagbare sichtbar. Das Kraftvolle ist Prozess und Ergebnis gleichermaßen: das Ringen mit der eigenen Wahrnehmung und der Widersprüchlichkeit der Welt, der Gesellschaft, des eigenen Selbst. Ein starkes Werk speist sich aus der Intensität seiner Widersprüche – und vielleicht aus dem Angebot ihrer Auflösung, das es macht. Seine ästhetische und emotionale Kraft ist auch eine Spur der Suche, der inneren Bewegung und eine Geste des gestalterischen Willens. Diese Kraft findet sich in dieser Ausgabe fast auf jeder Seite. Das künstlerische Interesse, die gestellten Fragen sind zeitlos, auch wenn sie vor 500 Jahren formuliert worden sind. Zum Beispiel: wie sich Licht zeigen lässt, wie die Zerstörung des gewohnten Hörens neue ästhetische Formen generieren kann oder wie sich Räume gestalten lassen, die eine Freiheit des Austauschs bieten können. Die drei Gespräche über den Maler Jan van Eyck, den Komponisten Helmut Lachenmann und über eine neue Galerie wie auch die vorgestellten künstlerischen Arbeiten über Körper, Wahrnehmung und Kontrolle zeigen Widerstand wie Imagination. Sie laden ein zur Reflexion über das eigene Sein und Handeln, eröffnen Denkräume und Möglichkeiten. Allen Künstler*innen und Autor*innen – einen großen Dank! Viel Vergnügen beim Lesen und Entdecken!
Die Redaktion
Die nächste Ausgabe erscheint Mitte Oktober.
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Luise Oswald, Bildende Kunst auf Lehramt Studentin, hat im letzten Herbst in Kreuzberg eine Galerie aufgemacht-die einzige ihrer Art.
Konstantin Heidrich ist Professor für Violoncello und Leiter des Festivals crescendo. Über dessen Thema „Gegentöne“ und über „Pression“ spricht der Leiter des Festivals.
Stephan Kemperdick ist Kurator der Gemäldegalerie Berlin. Anlass für dieses Gespräch war das Projekt „Erzählen mit Licht“.
Hier finden Sie Informationen zu den Werken und Künstler*innen in der zweiunddreißigsten Ausgabe.
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