David Prior, „Friedensjahre“, 2026
Skulptur, Zement-Putz, Styrodur, 300 x 186 x 221 cm
Quelle: Demografische Aufzeichnungen der Abteilung Bevölkerung der United Nations, Deutschland, 1950-2025
Berichterstattung ist schon lange kein Gradmesser mehr für Fakten. Unsere Welt diskutiert über gefühlte Wahrheiten, während Forschungund deren in Worte und Zahlen gefasste Ergebnisse im großen Diskurs um gemeinsame Werte an Bedeutung und Wirkkraft verlieren. Nicht empirisch fundierte Lösungsansätze, sondern Ängste und Gefühle entscheiden Wahlen.
Die Skulptur „Friedensjahre” blickt anhand von demografischen Daten auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis jetzt. Ein mit Hilfe des Bauingenieurs Maximilian Möldner geschriebener Code lässt Datensätze der United Nations zur Skulptur werden. Lesbar als Form, aber auch belegt mit Bedeutung. Von einer Seite erkennbar ist eine Momentaufnahme zum Start der demografischen Aufzeichnungen der UN, Deutschland im Jahr 1950. Geht man um die Figur herum, findet man den aktuellen Datensatz von 2025 vor. Diese Umrundung ist ein Zeitsprung von 75 Jahren. Dabei wird einiges sichtbar: Einschnitte in der Bevölkerungsentwicklung während zweier Kriege, medizinischer Fortschritt, der Babyboom der sechziger Jahre und dessen echoartige Folgen in der nächsten Generation, der Wandel von einer wachsenden zu einer schrumpfenden Bevölkerung.
Vorgänge, die uns allen geläufig sind, werden uns schmerzhaft vor Augen geführt. Die aktuellen Debatten drehen sich um Rentengerechtigkeit, die Angst vor Zuwanderung und vor KI oder um wegfallende Arbeitsplätze. Alles scheint sich zum Schlechten zu wandeln. Die Daten geben uns belastbare Anhaltspunkte auf der Suche nach Lösungen für die Fragen, die Politik und Gesellschaft umtreiben. Sie sind auch dazu in der Lage, populistische Parolen zu entlarven.
David Prior ist Meisterschüler in der Klasse von Manfred Pernice, Professor für Bildhauerei. Die Arbeit ist Teil seiner Abschlusspräsentation. www.davidprior.de