journal 33 "Wissen"
Wie entsteht Wissen? Wissen beginnt nicht immer mit einer Antwort. Oft beginnt es mit einer Berührung, einer Bewegung, einem Zweifel oder mit einer einfachen Frage. Es entsteht, wenn wir die Welt nicht nur betrachten, sondern uns auf sie einlassen. Gerade die Künste machen sichtbar, dass Erkenntnis auch in der Hand liegen kann, die einen Pinsel führt, im Ohr, das auf einen noch nicht gespielten Ton wartet, im Körper, der einen Rhythmus erinnert, und in der Aufmerksamkeit, die eine kaum wahrnehmbare Veränderung registriert. Künstlerische Praxis verbindet explizites Wissen mit Erfahrungs-, Handlungs- und Körperwissen. Sie schafft Formen für das, was sich nicht vollständig in Sprache übersetzen lässt. Wissen ist kein statischer Besitz. Es aktualisiert sich mit jeder neuen Wahrnehmung und Handlung. Was wir einmal gelernt haben, bleibt nicht unverändert, sondern wird durch Erfahrung, Erinnerung und kulturelle Prägung immer wieder neu gelesen. Ein Gedanke kann sich in eine Bewegung verwandeln, eine Bewegung in eine Technik, eine Technik in eine künstlerische Sprache. Manches Wissen lässt sich erklären und weitergeben; anderes kann erst durch Übung, Nachahmung und wiederholtes Tun angeeignet und zu einem Teil des Selbst werden. Wissen anzueignen bedeutet, Zusammenhänge herzustellen, Herkunft und Bedingungen zu verstehen und das Erlernte in eine eigene Praxis zu überführen. Aneignung ist dabei immer auch eine Frage der Verantwortung: Wem gehört ein Wissen? Wer darf es bewahren, weitergeben oder neu interpretieren? Welche Perspektiven wurden überliefert – und welche fehlen? Vielleicht ist Wissen am lebendigsten, wenn es nicht abgeschlossen ist. Wenn es weiterwandert, sich in andere Hände begibt und dabei seine Form verändert. Diese Ausgabe lädt dazu ein, genau solche Bewegungen zu verfolgen: zwischen Denken und Machen, Überlieferung und Erfindung, Präzision und Offenheit. Allen Künstler*innen und Autor*innen – einen großen Dank! Viel Vergnügen beim Lesen und Entdecken und vielleicht auch beim Wiederbegegnen: Die künstlerischen Arbeiten, die hier zu finden sind, waren beim Rundgang der UdK Berlin im Sommer zu sehen.
Die Redaktion
Die nächste Ausgabe erscheint Mitte April 2027.
In der Malwerkstatt mit Julia Rüther und Taleja Engelke
Julia Rüther ist Bildende Künstlerin und leitet die Malwerkstatt. Taleja Engelke war Tutorin in der Werkstatt und hatte 25/26 einen Lehrauftrag. Sie studiert Bildende Kunst in der Klasse von Karsten Konrad, Professor für Bildhauerei und Multimedia.
Der Groove, die Tools und offene Ohren
Paulo Morello ist Professor für Jazz-Gitarre und Künstlerischer Direktor des Jazz-Instituts Berlin.
Konrad Wachsmann. Modelle, Denken und Bauen
Soetje Marie Beermann hat im August 2026 ihre Dissertation im Fachgebiet Architekturtheorie und Architekturgeschichte erfolgreich verteidigt.
Farbflächen und magische Quadrate
Eleni Manolopoulos ist Meisterschülerin in der Klasse von ehem. Thomas Zipp, Professor für Malerei und Zeichnen.
Über Wissen und Freiräume, Neugier und Mut
Prof. Dr. Markus Hilgert ist Altorientalist und lehrte u. a. an den Universitäten in Heidelberg und Marburg sowie an der Freien Universität Berlin.
Künstlerische Arbeiten im journal 33
Hier finden Sie Informationen zu den Werken und Künstler*innen in der dreiunddreißigsten Ausgabe.
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