Yena Kang, Max Dorn, Ming-Yang Chen, Oskar Tebroke, „The Average Rundgang Person“, 2026
Interaktive Installation
Jedes Gesicht ist einzigartig – bis es Teil eines Datensatzes und zu Durchschnittswerten verrechnet wird. „The Average Rundgang Person“ macht diesen Prozess sichtbar und fragt: Was geschieht in Zeiten von Generativer KI mit unserer Individualität, und wie viel Kontrolle behalten wir über unser eigenes Bild, sobald es Teil eines Systems geworden ist, das wir nicht mehr überblicken?
Mit einem gecodeten Computerprogramm erschufen wir eine interaktive Installation, die den Prozess des Trainings von LLMs anhand großer Datensätze abbildet. Generative KI basiert auf riesigen Datensätzen von Bildern aus dem Internet und wird dadurch automatisch mit bestimmten Biases trainiert. Bestimmte Gesichter, Gruppierungen oder Ethnizitäten sind in diesen Datensätzen überproportional vertreten. Diese Verzerrungen beeinflussen wiederum die Bilder, die von KI erzeugt werden. Besonders interessant war für uns dabei die Fragen, wie KI Gesichter darstellt, und wie die Biases in den Datensätzen dazu führen, dass aus vielen individuellen Gesichtern ein Durchschnittsgesicht entsteht. Unsere Installation macht dieses Verschmelzen von Daten sichtbar – von individuellen Gesichtern zu einem nichtssagenden Durchschnittsgesicht. Gleichzeitig stellt sie die Frage: Wie sieht die „Average Person“ des Rundgangs aus?
Wir haben jeden Tag des Rundgangs einen neuen Lauf gestartet und so drei Durchschnittsgesichter gesammelt. Es ist interessant zu sehen, wie sich alle drei Personen sogar ähneln. Auch wenn die Gesichter ziemlich abstrakt und verschwommen bleiben, zeichnet sich doch ein Muster ab. Das „Average“ bildet sich im Grunde schon bei zwei Gesichtern, da sie genau übereinander gelegt werden und dann die zwei Pixelwerte auf einen Durchschnittswert gebracht werden. Auch wenn sich die zwei Gesichter noch etwas klarer voneinander abgrenzen.
Streng genommen haben wir keine KI trainiert, sondern einen einfachen Code geschrieben, der das Verschmelzen von großen Datensätzen abbildet. Es ging uns weniger darum zu zeigen, wie nichtssagend Gesichter von Durchschnittsmenschen sind, sondern wie KI in seinem Training die Nuancen und Feinheiten menschlicher Identität und Individualität komplett übersieht.
Yena Kang, Max Dorn, Ming-Yang Chen, Oskar Tebroke studieren bei Kora Kimpel, Professorin für Grundlagen New Media. Das Projekt war Teil der Grundlagen des Entwerfens – Basics 2025/26