Berliner Positionen. Die IBA 84/87 im Rückspiegel
Berliner Positionen. Die IBA 84/87 im Rückspiegel
WS 26/27 – Seminar + Exkursion
Prof. Dr. Matthias Noell
Donnerstag, 13:30–15:00 Uhr
Start: 22.10.2026
BA Module 12/14; MA Module 03/05
Der Berliner Senat hat sich zu einer neuen Internationalen Bauausstellung entschieden und zu ihrer Durchführung eine landeseigene IBA-Gesellschaft gegründet, die den Prozess steuern wird. Der Senat äußert sich zu Sinn, Zweck und Programm der kommenden Bauausstellung auf seiner Webseite folgendermaßen: "Die IBA Berlin 2034–37 ist ein Instrument zur urbanen Transformation der Stadt mit Fokus auf Klimaschutz, Klimaanpassung und einem verantwortungsvollen Umgang mit Flächen. Im Zentrum steht die Weiterentwicklung des Bestands, wobei Gebäude, Infrastrukturen und Freiräume als Ausgangspunkt dienen."
Der hier angesprochene Bestand, das ist zu einem nicht unerheblichen Teil die Berliner Bausubstanz bis zu den Zerstörungen des 2. Weltkriegs, aber natürlich auch die großen Wiederaufbaumaßnahmen der Nachkriegszeit in Ost und West, umfasst aber nicht zuletzt die vielfältigen zwischen 1977 und 1987 realisierten Projekte, Ensembles, Einzelbauwerke und städtebaulichen Ansätze der IBA 84/87. Eine neue IBA wird sich mit den fragmentierten Hinterlassenschaften der Jahrzehnte und den teilweise eigenwilligen Kollisionen aus ihnen beschäftigen müssen, sie muss idealerweise ohne Scheuklappen, ohne Dogmen, also vorurteilsfrei und großzügig auch mit den teilweise als hässlich und problematisch qualifizierten Elementen zugehen, die Potenziale auch des Absurden und Grotesken wertschätzen. Die IBA Berlin 2034–37 wird die dritte Internationale Bauausstellung in Berlin sein, die erste hingegen, die in beiden Teilen der wiedervereinigten Stadt stattfinden wird.
Wir werden uns im Wintersemester der Bauausstellung der 1980er-Jahre widmen, Projekte vor Ort ansehen, den Verlauf und die Begrifflichkeit aufarbeiten und diskutieren, und dadurch eine Klärung von Konzepten und Konstruktionen anstreben. Wer erfand den Begriff der "Kreuzberger Mischung", wer den der "Kritischen Rekonstruktion" – vor allem aber wann und warum? Warum reden wir über die eine Hälfte der IBA, die andere aber meistens nicht? Uns geht es darum, die Städtebautheorie hinter den Projekten zu verstehen, um daraus für die nächste IBA zu lernen. Denn wie sagte schon der berühmte französische Architekturtheoretiker Antoine Quatremère de Quincy: "Alles hat einen Vorläufer; nichts, egal welcher Art, entsteht aus dem Nichts."