Die 80er entwerfen – Entwurfskonzepte, Darstellungsmethoden, Architekturtheorie eines Jahrzehnts

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Die 80er entwerfen – Entwurfskonzepte, Darstellungsmethoden, Architekturtheorie eines Jahrzehnts

 

Prof. Dr. Matthias Noell

Seminar

 

Im direkten Anschluss an das Sommersemester kümmern wir uns im Winter erneut um die Architektur in Deutschland zwischen 1975 und 1992. Die Veranstaltungsreihe ist Teil eines Forschungsprojekts zur Architektur der 80er, das zusammen mit dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) durchgeführt wird und in eine Publikation zu Architektur und Städtebau dieses Jahrzehnts münden wird. Alle Teilnehmenden sind daher aufgefordert, ihre Analysen, Beobachtungen und Sichtweisen zur Diskussion zu stellen und die Veröffentlichung auf diese Weise zu bereichern und zu beeinflussen.

Im Sommer hatten wir die 80er mit folgenden Worten umschrieben: "Irgendwo nach einem gescheiterten Aufbruch in die Moderne und den ersten, ebenfalls gescheiterten Revolten gegen diese sowie mit einer getrübten, aber poetischen Aussicht auf eine äußerst ungewisse Zukunft. Verkürzt könnte man sagen: Verloren zwischen Pop, New Wave und Retro. Der Blick ins Morgen wurde überlagert mit dem Blick ins Gestern, die Utopien der Avantgarde sollten begraben oder jedenfalls mit anderen Mitteln und Formen weitergeführt werden. Die Wieder-holung der Geschichte erschien in einer Mischung aus Marx’scher Farce und bunter Gesprächigkeit, in jedem Fall in der Hoffnung, die Formen würden wieder eine Bedeutung erlangen. Vorbei waren die als “funktionalistisch” verunglimpften “stummen” Kisten, vorbei aber auch die revolutionären Megastrukturen, die eine andere Stadt propagiert hatten. Stattdessen die Rückkehr zu einer europäisch geprägten – und damit aus heutiger Sicht “westlichen” Sprache der Architektur, auch in der industrialisierten Vorfertigung der Architektur in der DDR –, die ihrerseits sofort als geschwätzig oder konservativ abgetan wurde." Im Fokus stand in der ersten Runde eine möglichst gleichmäßige Erfassung und Auswahl aus allen Baugattungen. 

Es fällt auch nach eingehender Betrachtung des letzten Semesters durchaus schwer, eine einheitliche Sichtweise auf die 80er zu entwickeln, zu heterogen, zu verspielt und zu rigide zugleich erscheinen die Debatten und Resultate. Gleichwohl faszinieren die Herangehensweisen, die Themen, die Entwurfskonzepte und Darstellungsmittel dieser Zeit – sind sie doch in Teilen noch immer aktuell. 

Im Winter werden wir eine übergeordnete Betrachtung versuchen: Es wird um Entwurfskonzepte, Darstellungsmethoden und theoretische Ansätze zur Erklärung unserer gebauten Umwelt gehen. Wir werden uns dem ökologischen Bauen widmen, der Rückkehr von Vergangenheit und Geschichte in das Entwerfen und der Kritik am Funktionalismus ebenso zuwenden wie der Kritik der Kritik des Funktionalismus (Julius Posener), den Debatten um die "anderen Traditionen" und einen in jenen Jahren entstehenden Neohistorismus, der "U-Bahn-Entlüftungsschächte in das Taschenbuchformat einer palladianischen Villa" verwandelt (Jürgen Habermas).
 

 

Seminar, Montag, 17:00-18:30, A 310
Beginn: 25.10.2021 
BA Module 12/14 = 3ects / MA Module 3/5 = 5ects
Anmeldung per Mail an: m.noell [at] udk-berlin.de
mit Namen und Matrikelnummer!

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Literatur

Blundell-Jones, Peter: Wo stehen wir? Über die Moderne, die Postmoderne und die vertanen Chancen einer einfühlsamen Architektur. In: Archithese. Bd. 18. 1988. H. 1. S. 11-17.
Borsano, Gabriella (Hg.): The presence of the past. First International Exhibition of Architecture. The Corderia of the Arsenale. La Biennale di Venezia 1980. Architectural Section. (= International Exhibition of Architecture 1, Venedig 1980). London 1980.
Habermas, Jürgen: Moderne und Postmoderne Architektur. In: Die andere Traditon. Architektur in München von 1800 bis heute. Ausstellungskatalog, hg. von der Bayerischen Rückversicherung Aktien-Gesellschaft, München. Konzeption und Text: Wend Fischer, München 1981. S. 8-17.
Das Pathos des Funktionalismus. In: Werk - Archithese. 64. 1977.H. 3 (darin Beiträge von Klotz, Posener, 

Dreyer, Claus: Zur Ästhetik der architektonischen Moderne nach der Postmoderne. In: Wolkenkuckucksheim. Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Lehrstuhl Theorie der Architektur. Bd. 2. 1997, H. 1. www.cloud-cuckoo.net/openarchive/wolke/deu/Themen/971/Dreyer/dreyer_t.html


Elser, Oliver: Pretty ugly. Ist die ungeliebte Architektur der Postmoderne reif für ein Revival? In: Frieze. H. 18 (März-April) 2015. S. 82-89.
Fischer, Günther: Abschied von der Postmoderne. Beiträge zur Überwindung der Orientierungskrise. Braunschweig u.a. 1987 (= Bauwelt Fundamente, 64).
Flagge, Ingeborg und Romana Schneider: Revision der Postmoderne. In memoriam Heinrich Klotz. Hamburg 2004.

Friesen, Hans: Von der Moderne zur Postmoderne. Zur Genealogie der Architektur im 20. Jahrhundert. In:   Wolkenkuckucksheim. Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Lehrstuhl Theorie der Architektur. Bd. 2. 1997, H. 2. www.cloud-cuckoo.net/openarchive/wolke/X-positionen/FRIESEN/friesend_t.html


Hopkins, Owen (Hg.): Postmodern architecture. Less is a bore. London 2020.
Hopkins, Owen und Erin McKellar (Hg.): The return of the past. Conversations on postmodernism: eight architectural interviews. London 2018. 
Klotz, Heinrich: Ästhetischer Eigensinn. In: Arch+ 63/64. 1982. S. 92-93.
Klotz, Heinrich (Hg.): Revision der Moderne. Postmoderne Architektur, 1960-1980. Ausstellungskatalog DAM, Deutsches Architekturmuseum. München 1984.
Klotz, Heinrich: Moderne und Postmoderne. Architektur der Gegenwart 1960-1980. Braunschweig 1984.
Klotz, Heinrich: Postmoderne Architektur. Ein Resümee. In: Postmoderne. Merkur / Sonderheft. Bd. 52. 1998. H. 9/10. S. 780-793.
Kraft, Sabine (Hg.): Mission: Postmodern. Heinrich Klotz und die Wunderkammer DAM. Frankfurt am Main 2014. 
Listl, Mathias: Gegenentwürfe zur Moderne. Paradigmenwechsel in Architektur und Design. 1945-1975. Köln u.a. 2014.
Müller, Michael: Schöner Schein. Eine Architekturkritik. Frankfurt am Main 1987.
Portoghesi, Paolo: Ausklang der modernen Architektur. Von der Verödung zur neuen Sensibilität Zürich 1982.
 

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