Baunetz Campus Masters 2023

Quelle: Emil Brechenmacher

ARGE Grundschulstandardisierung

Transformative Sanierungsstrategien für Berliner Typenschulbauten

Emil Jacob Brechenmacher

 

Zwischen 1972 und 1978 wurden in Westberlin 15 standardisierte Grundschulen nach den Plänen der ARGE Grundschulstandardisierung realisiert. Der Entwurf stammt von den Architekt*innen Bratz, Hassenstein, Schmidt- Thomsen, Hundertmark & Grünberg, Lichtfuß, v. Möllendorf und Windeck. Nach knapp 50 Jahren Nutzung planen erste Bezirke den Abriss der Schulen.

Wieder werden Standardisierung und Modularisierung gerade mit Bezug auf schnelles und nachhaltiges Bauen verstärkt politisch gefordert. Doch führt dies wirklich zu guten und langlebigen Lernumgebungen? Oder sollte nicht von einer anderen Seite an das Problem herangegangen werden?

Anstatt Ersatzneubauten zu realisieren, muss doch die Frage gestellt werden, wie eine Sanierungsstrategie für diese Bauten aussehen kann. Sind die durchökonomisierten Typenbauten mit einfachen Eingriffen in hochwertige und zeitgemäße Schulen zu verwandeln? Welche Qualitäten hat der oft ungeliebte Bestand der 70er-Jahre? Den flächendeckenden Abriss der öffentlichen Infrastruktur dieser Zeit können wir uns ökologisch nicht weiter leisten. Es wird Zeit für einen neuen Umgang.

Für die ausgewählte Ikarus Grundschule in Tempelhof wurde ein detaillierter Bauteilkatalog erstellt. Es handelt sich um einen Stahl- Skelettbau mit vorgehängter Waschbetonfassade. Die Bauteile wurde nach ihrem Zustand, der verbauten Masse und ihrer verkörperten Energie und ihrem Kreislaufpotential sortiert. Dies diente als Grundlage, um qualifizierte Entscheidungen darüber zu treffen, welche Bauteile erhalten werden können und sollten. LCA wird so zum integralen Entwurfsparameter.

Vier Unterrichtshäuser und eine offene Lernlandschaft bilden das räumliche Konzept der Transformation. Die Häuser erhalten eine volle thermische Ertüchtigung mit der speziellen dämmenden Ausmauerung, während die Lernlandschaft in der Mitte als gläserner Pufferraum fungiert. Im Zentrum öffnet sich der nunmehr überdachte Innenhof zu einer dreigeschossige Agora, die für Aufführungen und Versammlungen genutzt werden kann.

Im neu aufgesattelten zweiten Obergeschoss werden Räume für den Fachunterricht, die Schulsozialarbeit sowie eine großzügige Mensa untergebracht. Die orangerieartigeStahlkonstruktion wird von einem filigranen Dach bedeckt. Die überhöhten Träger bilden gleichzeig eine Wasserablaufrinne. Durch ihre spezielle Form geben sie dem neu addierten Teil eine eigene Sprache.

 

Quelle: Emil Brechenmacher
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