Andere Räume oder Schöne Orte? I

Dass Gärten heterotope Räume seien, ist ein Topos der jüngeren Gartenkunstgeschichte beim Versuch, die lebensweltliche Anschauung des Gartens als Paradies auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen, von der aus theoretische und methodologische Konzepte der historischen Interpretation konkreter Gärten entwickelt werden können.

Den – eigentlich medizinischen - Begriff der Heterotopie, hat Michel Foucault in den 1960er Jahren in zwei Texten in den Kontext seiner machttheoretisch akzentuierten Studien gesellschaftlicher Verhältnisse eingeführt: eine Heterotopie ist danach eine räumlich materialisierte Utopie, heterotope Räume sind definiert als „vollkommen andere Räume“, die im Gegensatz zu den gesellschaftlichen Realräumen stehen, die ihrerseits als Formen der materiellen Verräumlichung gesellschaftlicher Machtbeziehungen verstanden werden.

 

Der gartentheoretische Rückgriff auf den Begriff des Anderen Raumes liegt allerdings nahe, bezeichnet Foucault in diesen Texten doch selbst Gärten als per se heterotope Räume, mit Hinweis auf die Gärten des Altertums oder die orientalischen Gärten, die über ihre Abbilder in Teppichen sich nicht umsonst in die Fliegenden Teppiche aus 1001 Nacht verwandelt hätten.

 

Der Fokus des Seminares liegt auf der Frage, ob Gärten tatsächlich per se Heterotopien sind. Deshalb beschäftigen wir uns im ersten Teil mit der Rekonstruktion des Heterotopie-Begriffs an hand der gemeinsamen sehr genauen Lektüre von drei Texten Foucaults, anschließend wenden wir uns zwei historiographischen Texten zu, die methodologische Fragen diskutieren, um so, begrifflich und methodisch bestens ausgestattet, die Probe aufs historische Exempel zu machen:

Der zweite Teil des Seminares widmet sich der historischen Rekonstruktion und Interpretation konkreter Gärten, und weil Foucault in seinen Heterotopie-Texten mit den orientalischen Gärten argumentiert, widmen wir uns den Gärten der vier großen islamischen Kulturen, um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Andere Räume oder lediglich – aber immerhin ! - um schöne Räume handelt.

 

Hispano-islamische Gärten: Madinat al-Zahra, Cordoba, Alhambra/ Generalife, Granada;  indo-islamische Gärten: Shalamar Bagh, Nishat-Bagh, Kaschmir; perso-islamische Gärten: Chahar Bagh Boulevard/ Bagh i-Bulbul, Isfahan; osmanische Gärten: Topkapi Serail/ Bosporus Kiosk, Istanbul.