Der Garten als Raum als Bild als Text

Beginn: 19.10.2015  Zeit: 13.30 Uhr  Raum: 336

 

Alle Gärten sind natürlich Räume, zum Himmel hin offene Räume, Freiräume eben. 

Die europäische Gartengeschichte unterscheidet Gärten und Parks grob nach ihren räumlichen Ordnungsschemata in formale oder architektonische Gärten, die auf einem geometrischen Grundriss aufgebaut sind und in landschaftliche oder pittoreske Gärten, deren räumliche Ordnung wesentlich bildästhetisch, nach dem Vorbild der Landschaftsmalerei, komponiert ist.

Darauf bezieht sich die Differenzierung innerhalb des Seminarthemas zwischen dem Garten als Raum und dem Garten als Bild. Repräsentativ für den architektonischen Typus sind die Gärten der italienischen Renaissance und des französischen Barock, für den pittoresken Typus steht der Landschaftsgarten der englischen Aufklärung.

Nun sind Gärten und Parks nicht nur - geometrisch oder bildhaft – organisierte Natur- oder Landschaftsräume, sondern sie sind als solche immer auch, und vor allem, Träger von Bedeutung oder Sinn.

Die Rekonstruktion der Bedeutung dieser Gärten wiederum ist das Resultat eines hermeneutischen Prozesses, der die intrikate Verbindung von Raumstruktur und implemtiertem ikonographischem Programm, abgebildet in der Raumidee selbst und Statuen, Bauwerken, Pflanzen und den vielfältigen Erscheinungsweisen des Wassers, im sozio-politischen und sozio-kulturellen Kontext ihrer Entstehungszeit reflektiert.

Die Formulierung: DerGarten als Text bezieht sich auf diese semantische Schicht der – historischen wie zeitgenössischen – Gärten: Gärten können immer auch verstanden werden.

Der Fokus des Seminares liegt auf der konkreten räumlichen und ikonographischen Analyse und ikonologischen Interpretation paradigmatischer - formaler und pittoresker – Gärten.

Sie ist verbunden mit der Hoffnung, dass für die Seminarteilnehmer die jeweiligen Gärten als komplexe Kunstwerke erkennbar, „lesbar“, werden, in denen der – über das Weltbild des jeweiligen Auftraggebers vermittelte – gesellschaftliche, politische und kulturelle Problemhorizont ihrer Entstehungszeit ästhetisch reflektiert wird.

Bei den Gärtenhandelt es sich voraussichtlich um Villa d´Este, Villa Lante, Vaux-le-Vicomte, Versailles, Stowe & Stourhead, Ermenonville, Désert de Retz, Parc de la Villette.