BA Theorie der Gestaltung

Perform!

Michael Schultze (Lehrbeauftragter), BA MODUL 10 - Theorie der Gestaltung - 2 LP; BA Modul 14 - 3 LP (Wahlbereich)

 

Erste Veranstaltung: 22. April 2026 um 17:00 Uhr, R336

Seminarzeiten: mittwochs, 17:00 bis 18:30 Uhr, R336

Mittwoch, 22.4.26 

Mittwoch, 06.5.26

Mittwoch, 13.5.26

Mittwoch, 22.5.26

 

Alle Teilnehmenden des Kurses "Praxis der Gestaltung" sind automatisch für den Kurs angemeldet!

Anmeldung für alle anderen per Mail: (prada@udk-berlin.de)

 

Kaum eine Denkfigur spiegelt die Ambivalenz vorrangiger Debatten und Diskurse des 21. Jahrhunderts so treffend wider wie Performance und deren theoretische Ableitung, die Performativität. Wendungen wie Unter- oder Über-Performen sind zu einem zentralen Problem des Selbst geworden, und dienen auch zur Einhegung des Subjekts in (neoliberale) Begriffsregimes. Wir wollen in diesem Sommersemester die Herkunft des Begriffs der Performance aus den historischen Avantgarden beleuchten und die wirkmächtige Geschichte der Performancekunst untersuchen.

Die Performance wurde von den historischen Avantgarden in den Künsten als gezielte und radikale Übertretung und Perforierung von Körper-, Zeit- und Raumgrenzen entwickelt. Die dort geleistete Verschränkung von Fragen des Körpers mit denen von Gestaltung, Objekt und Bild wurde für die Architektur ebenso Relevant, wie für die gelebte Lebenswirklichkeit.

Dabei legte die Praxis der Performance einen weiten Weg zurück und entwickelte eine komplexe Rhetorik. Von der Idee einer radikalen Befreiung in Dada und Fluxus, über den Futurismus und die Befragung des sozialen Körpers in feministischer Performancekunst, bis zu den Exzessen der Selbstoptimierungen unserer Zeit war die Praxis der Performance immer Indikator der zentralen Themen der jeweiligen Zeit.

Das Seminar will den kunsthistorischen Exkurs zu Performancekunst in die Gegenwart erweitern. So lässt sich ein auch in der Architektur zunehmend zentraler Begriff wie das „Ereignis" fruchtbar auf seine Ursprünge in den Avantgarden zurückführen.

Eine wesentliche Frage wird sein, wie der Begriff der Performance, der einst die Verweigerung von Produktivität und die Unterbrechung des Alltags meinte, heute in Personalgesprächen und Selbstoptimierungsratgebern zirkuliert, zum Maßstab eben jener Produktivität werden konnte.

Nach vier intensiven Vorlesungen verlegt sich das Seminar in den Praxisteil von PRADA, um eine an der gestalterischen Praxis der Studierenden orientierte „embedded theory“ zu erproben.  Das Verhältnis von Architektur und Performance dient dann auch als Absprung, um über inszenierte Fotografie und Video nachzudenken, Kunstgattungen mit weiteren zeitgenössischen Implikationen, von Fragen nach Identität bis hin zur Wirklichkeit der Bilder im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

 

Erste Veranstaltung: 22. April 2026 um 17:00 Uhr, R336

 

Quelle: Michael Laurent, Stage III, 2026