Hermannplatz für Alle!

Freies Thema zur Zukunft des Hermannplatzes in Kreuzberg/Neukölln

MA [Modul 05] [SoSe 2022]

Quelle: GD Städtebau (Mapping: Chloé Borreguero Boleis, Paula Granda, Sarah Malinowski)

Heute ist der Hermannplatz ein Ort, der durch den neuen „privaten“ Eigentümer des Kaufhauses Karstadt unter hohen Aufwertungsdruck gesetzt wird, was auch die öffentlich-kommunalen Akteur:innen auf den Plan ruft. Senatsvertreter:innen haben 2020 mit der Signa Holding und der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH (beide gehören dem Firmengeflecht um René Benko an) eine Absichtserklärung unterzeichnet, nicht nur die Abriss- und Neubau-Pläne von Signa am Hermannplatz, sondern auch an weiteren Standorten in Berlin zu unterstützen, gegen eine geringfügige Verlängerung der Kaufhausbetriebszeiten – und dies zum Teil gegen den politischen Willen der bezirklichen Verwaltungen und Politiker:innen und gegen den Willen großer Teile der Zivilgesellschaft.

Wir wollen verstehen und zeigen, wie Aufwertung, Umwandlung, Erneuerung am Hermannplatz sich auf die Nachbarschaft genauso wie auf die Gesamtstadt auswirkt, indem wir fragen: Wer oder wem nutzt eine Stadt der aufgewerteten Räume und anhand welcher Raumformen und Raumgebrauchsweisen lässt sich Aufwertung identifizieren? Wie positionieren wir uns demgegenüber als Entwerfer:innen, Theoretiker:innen, Praktiker:innen, Berliner:innen, wenn wir uns für eine Stadt für Alle einsetzen?

Zeitgenössische Stadtentwicklung zeichnet sich durch eine komplexe Gemengelage zwischen staatlichen und privaten Akteurslandschaften aus. Dabei können mit „Privaten“ sowohl zivilgesellschaftliche, kollektiv organisierte, gemeinwohlorientierte, selbstverwaltete oder einzelne Akteur:innen gemeint sein, aber auch marktwirtschaftliche, gewinnorientierte Aktiengesellschaften, Unternehmer:innen, Privatiers, Konzerne, Gesellschaften, Holdings, Groups und viele weitere institutionelle Vereinigungen mit eingeschränkter Zugänglichkeit. Als "nicht-öffentlich" Agierende verfolgen beide Gruppenorganisationen sehr unterschiedliche Interessen, die sich auch im Raum abbilden: als – vor allem auch ökonomisch – Gemeinsame Räume einerseits und – ökonomisch – Getrennte Räume andererseits.

Im Freien Thema gehen wir denjenigen räumlichen Phänomenen nach, die sich als Raumproduktion Getrennter Räume im Urbanen erkennen lassen und als Gegenbilder der Raumproduktionen Gemeinsamer Räume lesbar werden. Wer stellt diese Räume her, von wem werden sie unter welchen Bedingungen genutzt, wie können wir sie anhand von investigativen Kartographien beschreiben, sichtbar machen, wenn nötig aufdecken oder gar enttarnen?

Allen voran der Business Improvement District Ku’damm Tauentzien, aber auch der „private“ Mercedesplatz und Potsdamer Platz, ebenso wie die Privatstrassen am Schweizer Garten und Friedenauer Höhe sowie die Wohnsiedlung Lavie oder die Gropiuspassagen, selbst der Gendarmenmarkt sind Orte, deren Zugänglichkeit nicht für Alle gegeben ist, weil ökonomische Interessen hier im Rahmen des Raumgebrauchs und mittels Nutzungsregeln wirksam werden. Diese urbanen Raumkonditionen jenseits von Öffentlich und Privat werden andernsorts in einem investigativen Atlas versammelt.

 

Format

Freie Arbeit

[Modul 05]  [5 LP]

Freitags 10:00

Raum 333

 

Infotermin am 22.4.22 um 10:00 in Raum 333

Zur Anmeldung bitte eine Mail an b.buecking@udk-berlin.de

Bei Rückfragen bitte eine Mail an d.pelger@udk-berlin.de