Preisträger*innen 2025-2026
Jury
Die unabhängige Jury bestand aus:
Susanne Sturm• Vertreterin der Architektenkammer
Angelika Hinterbrandner • ahinterbrandner
Martin Henn • HENN
Es wurden 3 Preise vergeben.
Nominiert wareren:
Anna Lisa Senius, Cirenia Jahn Fernandez, Cosima Seiberth, Jan Felix Kromrey, Johannes Mirwald, Jolan Attia Cantzen, Helene Adolph, Finn Brunsch & Jakob Stadtmüller, Mariami Kurtishvili, Ástvaldur Axel Thorisson, Nika Samkharadze, Anna Stevenson, Viktor Reiter, Roman Stamborski, Yoyo Dell, Zubaidah Aali
Warenhaus der Wissenschaft
Roman Stamborski
Kommentar der Jury
Die Arbeit „Warenhaus der Wissenschaften“ zeichnet sich durch eine hohe gestalterische Qualität aus und entwickelt aus der Transformation von Cottbus ein überzeugendes Modell für viele Innenstädte im Strukturwandel: Statt neue Wissenschaftsstandorte auf der grünen Wiese zu schaffen, setzt sie bewusst auf die Reaktivierung innerstädtischer Handelsbauten – und macht damit aus einem städtebaulichen Problemfall eine zukunftsweisende Ressource.
Besonders stark ist die programmatische Idee, Forschung und Öffentlichkeit nicht nur sichtbar zu machen, sondern räumlich miteinander zu verweben. Labore in den flexiblen Strukturen des Bestands, öffentliche Nutzungen im Erdgeschoss und eine Bibliothek als gezielten architektonisch anziehenden Eingriff zu schaffen einen neuen Typ urbaner Wissensarchitektur zu entwickeln.
Die Arbeit überzeugt durch ihren hohen Realitätsgrad, Auseinandersetzung mit dem Strukturwandel in der Lausitz, ihre konzeptionelle Klarheit und eine sehr präzise gestalterische Ausarbeitung. Durch den gestalterischen Anspruch im Bestand sowie der konstruktiven Leichtigkeit des neuen Eingriffs, entsteht eine neue Zukunftsvision vor Ort. Der Entwurf zeigt über Gestaltung, wie Wissenschaft zum aktiven Baustein der Stadt werden kann – offen, zugänglich und integrativ.
Krümel sind auch Brot
Helene Adolph
Kommentar der Jury
Die Arbeit „Krümel sind auch Brot“ überzeugt durch ihren ungewöhnlich mutigen und zugleich zugewandten Blick auf den ländlichen Raum. Statt Distanz einzunehmen, sucht sie bewusst die Auseinandersetzung mit einem politisch und sozial herausfordernden Kontext – und begegnet ihm mit Neugier, Leichtigkeit und großer Ernsthaftigkeit.
Besonders hervorzuheben ist die konsequente Arbeit mit Kontext als Methode: Durch intensive Recherche, Gespräche und einen erzählerisch dichten Zugang entsteht ein vielschichtiges Bild des Ortes, das weit über eine klassische Analyse hinausgeht. Architektur wird hier nicht als fertige Lösung verstanden, sondern als sozialer Prozess.
Mit dem Backofen als präzise gewähltem Interventionselement gelingt es der Arbeit, das Große im Kleinen zu verhandeln: Identität, Gemeinschaft und Teilhabe werden über ein einfaches, aber wirksames Artefakt neu aktiviert. Gerade diese Reduktion, gepaart mit einem zuhörenden und iterativen Vorgehen, verleiht dem Projekt seine besondere Stärke.
In ihrer Mischung aus Menschlichkeit, konzeptioneller Schärfe und gestalterischer Eigenständigkeit zeigt die Arbeit eindrücklich, welches Potenzial im oft vernachlässigten dörflichen Raum liegt – und wie Architektur dort als verbindende Praxis wirksam werden kann.
Shape of Space – Sound as Material: 8 Walls – 8 Sine Waves
Astvaldur Axel Thorisson
Kommentar der Jury
Die Arbeit „Shape of Space. Sound as Material“ erweitert den Architekturbegriff auf eindrückliche Weise, indem sie Klang als zentrales Gestaltungsmittel in den Mittelpunkt rückt. In bewusster Abkehr von der visuellen Dominanz architektonischer Praxis entsteht eine räumliche Erfahrung, die über Hören, Vibration und körperliche Wahrnehmung funktioniert.
Mit minimalen Mitteln entwickelt die Installation ein hochpräzises Zusammenspiel aus Geometrie und Frequenz. Der Raum wird zum Instrument, in dem sich Wellen überlagern, verstärken oder brechen – und so ein dynamisches, sich mit jeder Bewegung veränderndes Wahrnehmungsfeld erzeugen. Klang wird dabei nicht nur hörbar, sondern physisch spürbar.
Die besondere Qualität der Arbeit liegt in dieser Verbindung aus konzeptioneller Klarheit, wissenschaftlicher Präzision und unmittelbarer sinnlicher Wirkung. Sie bewegt sich souverän zwischen Architektur und Kunst und eröffnet einen eigenständigen Zugang zur Frage, wie Raum jenseits des Sichtbaren gedacht und erlebt werden kann.