der die das Fremde

Quelle: Prof. Dr. Jürgen Schulz

Die Fähigkeit im Umgang mit dem Fremden ist existenziell. Der horror alieni als Schrecken vor dem Fremden begleitet das westliche Ordnungsdenken wie ein Schatten. In Horrorfilmen bedrohen fremde Eindringlinge die Gemeinschaft. Besonders perfide wird es, wenn wie in Ridley Scotts Horrorklassiker von 1979 ein Alien sich unter und in Menschen einnistet. Alles ist oder kann fremd sein - Physisches wie Orte, Dinge und Lebewesen und Metaphysisches, Gedanken, Theorien, Philosophie, Religion und last not least die Zeit, also Anfang und Ende.  

Modi des Umgangs sind so vielfältig wie bemerkenswert. 

Kinder erkunden und erobern das fremde Terrain im Arm ihrer Teddybären, die als transitorische Objekte fungieren. Erwachsene behelfen sich mit dienstbaren Fiktionen (»Als Obs«), um in der Realität klarzukommen.

Zeigt sich die Fremdheit unbezwingbar, bleiben dem Menschen als Grenzreaktionen der Vernunft Lachen und Weinen. So etwa in Anbetracht befremdlicher weltpolitischer Entwicklungen - nicht witzig, aber traurig genug. 

Angst und Furcht sind noch zu nennen, ebenso wie Gewalt und Hass.

Ungeachtet dieser existenziellen Bedeutung und lebensweltlichen Präsenz ist Fremdheit kein wesentliches Schlagwort der westlichen Wissenschaft und Fachwelt. Von Ent-fremdung und Fremdsprachen abgesehen, fallen einem vielleicht noch Fremdenzimmer und Fremdenführer ein. Letztere erinnern an Gastlichkeit und Gaststätten, in denen Fremdheit eigentlich kein Problem sein sollte. Befremdlich bleibt die Verwicklung der Ethnologie in missionarischen und kolonialen Unternehmungen.  

 

Ein Forschungsmodul im Masterstudiengang GWK von  Prof. Dr. Jürgen Schulz in Komplizenschaft mit Prof. Fons Hickmann (VK), (GWK) & Prof. Manfred Peckl (Institut Bildende Kunst Lehramt)