Ringvorlesung - wer nicht denken will fliegt raus - 2026
Das Motto für den Tag brachte uns Benjamin Zwack aus Trient mit - TOURISMUS NEU DENKEN. Besteht doch der Clou unserer Ringvorlesung darin, dass wir höchstens ein touristisches Verhältnis zu den Denkordnungen unserer Referentinnen und Referenten haben. Wie schön, dass Benjamin Zwack bei uns sein konnte und uns mitnahm auf seine Erkundungstour durch partizipativen Tourismus. Anstöße auch für vernachlässigte soziale und politische Aufgaben und warum nicht Universität unter katastrophalen Bedingungen als Albergo Diffuso neu denken?
EINE BILANZ IST KEIN ZAHLENWERK. EINE BILANZ IST EIN KRIMINALROMAN.
Mit Zahlen verbinden Menschen gemeinhin Verlässlichkeit. Was uns Zahlen in Bilanzen erzählen können und mit welcher Ahnungslosigkeit mangels Wissen Werte in der Wirtschaft verspielt werden, erzählte uns die Finanz- und Steuerexpertin Claudia Sterrer-Pichler - ein Krimi.
Dass Humor selbstverständlich ist, bedeutet noch nicht, dass wir viel davon verstehen, wie Humor gemacht wird. Christian Eisert nahm uns mit auf die Hinterbühne der Humorschaffenden. Ein Werkzeug, mit dem sich Macht stabilisieren und destabilisieren lässt. Lachen bleibt eine Grenzreaktion der Vernunft und HUMOR MACHT DEMOKRATIE.
PARS PRO TOTO - BILDERSPRACHE ZWISCHEN VERSTEHEN UND MISSVERSTEHEN
Verständigung wird angesichts globaler Kommunikationsherausforderungen einer stark wachsenden Weltgesellschaft zum Problem. In krisenhaften Ausnahmesituationen, wenn keine Kapazität und vor allem keine Zeit bleibt, sich auf die kulturellen Eigenheiten von Fremdsprachen lernend einzustellen, werden wir auf die Ursprünge von Sprache zurückgeworfen.Durch zeichenbasierte Kommunikation können sich Menschen verständigen. Ebenso können Zeichen aber auch ein Hindernis für die Verständigung sein. Die Designerin, Autorin und Wissenschaftlerin Gosia Warrink vermag beides, nämlich Zeichenwirkung zu erforschen und die dazugehörigen Zeichen auch zu gestalten. Wie können unterschiedliche Informationshaushalte Resonanz füreinander entwickeln und sich womöglich auch noch mithilfe von Zeichen verstehen?
GHOSTWRITING - MIT DEM GEHIRN ANDERER DENKEN. Geister können fabelhafte Wesen sein, wenn sie nicht z.B. in John Malkovichs Hirn herumspuken, sondern aus uns etwas herausholen, was wir nicht vermögen. Sabine Jürgens (Autorin / Ghostwriterin) schenkt ihre purer Lust am Text Menschen, die etwas zu sagen haben, aber nicht vermögen, es aufzuschreiben. Dahinter werden bemerkenswert soziale Denkordnungen der Teilhabe und des Zurücknehmens sichtbar.
Worüber denken KI-Experten wie Klaas Wilhem Bollhöfer, einer von Birds on Mars, aktuell nach? Es ist die soziale Beziehung zwischen Menschen und Maschinen, die ja im Turing-Test noch sehr experimentell gedacht ist. Ein unausgesprochenes Plädoyer über Utopie und Beziehung für die Unvermeidlichkeit der Geisteswissenschaften (Marquard) und die Unvermeidlichkeit von Kunst und Kultur; denn woher sonst soll die Imagination für die „Imagination Economy" kommen? Alle Fragen offen, nur eine nicht: WAS KOMMT NACH KI? WIR!
Die Lesart von Zahlen hatte uns schon am Vormittag in den Bann gezogen. Aber was bedeutet es, WENN ZAHLEN ÜBER MENSCHEN ENTSCHEIDEN: ÜBER ENTSCHEIDUNGSPROZESSE DER SCHUFA und den Umgang und das Verständnis mit Transparenz klärte uns der Entscheidungsexperte Niklas Keller auf. Wesentliche Überlegungen auch für die Errungenschaft der Moderne, zwischen privat und öffentlich unterscheiden und entscheiden zu können.
SALZ AUF DIE WUNDER der Ringvorlesung streute der Künstler und Professor für Kunst und Partizipation Manfred Peckl. Spätestens jetzt war allen ihre Unwissenheit vor Augen und Ohren geführt. Aufhören ist so schwer.
Jüngst schrieb uns eine Kollegin und Referentin des Sommers 2025: „Nun ist Ihre wunderbare Tagung schon fast ein Jahr her. Sie war eine kleine Oase, an der das stattfand, was ich zumindest mir mal unter einer Universität vorgestellt habe. Ich hoffe, Sie können auch unter weiter verschärften Bedingungen die Oase bespielen."
Im Winter gehts weiter.