Materie, Maschine, Monster. Was ist der Mensch im "Anthropozän"? (Seminar)

Dr. Andreas Weber
Materie, Maschine, Monster. Was ist der Mensch im "Anthropozän"?

Seminar, Deutsch/English, 2 SWS, 2 LP
Dienstags, 17 s.t.-20:30 s.t. Uhr, circa wöchentlich ab 9.5., 7 Termine: 9.5, 16.5, 23.5., 30.5., 13.6., 27.6., 4.7., 11.7.2017, Hardenbergstr. 33, Raum 102

Wir leben in einem geistigen Epochenbruch. Derzeit, im sogenannten Anthropozän, verflüssigen sich die Auffassungen, was wir unter Mensch und „Natur“ verstehen können und welches Verhältnis zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren herrscht. Der Dualismus ist an sein Ende gekommen, die Trennung von „Kultur“ und „Natur“ hinfällig geworden, aber auch die von „Diskurs“ und „Materie“ löst sich auf. Der Leib ist nicht länger sprachlos, andere Organismen erweisen sich als sinnschöpfend, der Mensch versteht sich zunehmend als Spielart, als Autor wie als Produkt eines zugleich materiellen wie auch bedeutungsgeladenen Kosmos. Indigene Weltbilder, in denen die Welt nicht in Natur und Kultur getrennt ist, stehen heute plötzlich im Zentrum philosophischen Denkens. Das Seelische erfüllt auch die Materie, das Zufällige der Materie bestimmt Mensch und Geschichte. Philosophie und  Anthropologie begreifen, dass sie mit diesem „material turn“ im Begriff sind, die alten Fragen ganz neu zu denken. Im Seminar sollen aktuelle Schlüsselpositionen zu diesem neuen Paradigma diskutiert werden, so dass sich ein Bild der Tragweite der gegenwärtigen Umbruchssituation abzeichnet und deutlich wird, wie Denken im Aufbruch sich formt, etwa in den Arbeiten von Eduardo Viveiros De Castro, Philippe Descola, Tim Ingold, Anna Lowenhaupt Tsing, Bruno Latour, Timothy Morton, Karen Barad, Jane Bennett, Michel Serres, Anna Haraway oder Terrence Deacon.

Leistungsanforderungen für den unbenoteten Studium-Generale-Schein:
regelmäßige und aktive Teilnahme, Impulsreferat (ca. 5 Minuten) und kurzer Essay.

Andreas Weber, geb. 1967, studierte Biologie und Philosophie in Berlin, Freiburg, Hamburg und Paris. Er promovierte bei Hartmut Böhme (Berlin) und Francisco Varela (Paris). Journalistische Arbeiten seit 1994, vor allem für GEO, Merian, Die Zeit, mare, Greenpeace Magazin, oya. 2003/2004 Lehrauftrag im Fach Journalistik an der Universität Hamburg, seit 2014/2015 Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität Lüneburg. Weber lebt mit seinen zwei Kindern in Berlin und Italien. In seinen literarischen Sachbüchern setzt sich Weber für eine Überwindung der mechanistischen Interpretation von Lebensphänomenen ein. Weber entwickelt eine neue Sicht des Lebendigen als Phänomen des fühlenden Selbstausdrucks und einer schöpferischen Ökologie. Organisches Dasein wird von ihm beschrieben als die kontinuierliche Selbsterschaffung fühlender, wertender und Bedeutung setzender Subjekte vor dem Hintergrund der Möglichkeit des Todes. Weitere Informationen unter www.autor-andreas-weber.de.