Künstlerisch-gestalterisches Weiterqualifizierungsvorhaben
Wachsende Ungleichheit von Vermögen und Einkommen, Identitätsfragen und sich verändernde Gesellschaftsnormen, sowie die zunehmende Bedeutung digitaler Informationstechnologien gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Museen sind von diesen Herausforderungen nicht unberührt. Zum einen spiegeln sich die oben erwähnten Diskurse in sozial kollaborativen Arbeiten wider. Zum anderen zwingen sie die Museen dazu, ihre institutionelle Vergangenheit kritisch zu hinterfragen und sich neu zu positionieren. Neben dem Sammeln, Schützen und Ausstellen von Kulturgütern gehören in den letzten Jahren auch die Förderung des kulturellen und gesellschaftlichen Austauschs sowie ein vielfältiges Vermittlungsprogramm zu den Aufgaben einer modernen Institution. Von kunstbewahrenden Tempeln, die eine institutionalisierte Hierarchie ausstrahlen, verwandeln sich Museen in kulturelle Zentren mit dem Ziel, ein möglichst breites Publikum anzusprechen. In diesem Entwicklungsprozess werden digitale Technologien zu einem immer wichtigeren Instrument. Daher erweitert sich die Ansprache des Museumspublikums zunehmend vom physischen- in den digitalen Raum. Museen erreichen heute über ihre eigenen Websites und über soziale Medien hunderttausende junge Menschen weltweit. Die Erfahrung von Kunst, Kunstvermittlung und Community Building wird zunehmend digital und damit ortsunabhängiger. Obwohl dies kein vollkommen neuer Trend ist, hat dieser vor allem in den letzten Jahren einen enormen zusätzlichen Entwicklungsschub erhalten, insbesondere aufgrund der monatelangen Schließungen während der Covid-19-Pandemie. Dabei hat sich Instagram nun zu der bevorzugten Social-Media-Plattform von Museen entwickelt. Wenn es um die Frage geht, wie sich Museen in Zukunft weiterentwickeln könnten, taucht immer wieder die Vorhersage der Dezentralisierung auf. Einige renommierte Museumsarchitekt*innen stellen sich vor, dass Museen in Zukunft neben dem Hauptgebäude in Form von Satelliten über die ganze Stadt verteilt auftauchen könnten. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung der Kunstvermittlung und der prognostizierten Dezentralisierung erscheint es daher nur logisch, dass sich die Art und Weise, wie Artefakte ausgestellt und erlebt werden, entsprechend verändern wird. Auch wenn komplett immersive Ausstellungserlebnisse derzeit sehr beliebt sind und Ausstellungen wie „Imagine Van Gogh: The Immersive Exhibition“ weltweit in Räumen auftauchen, die nicht für die Ausstellung von Kunst konzipiert sind, kann davon ausgegangen werden, dass das Ausstellungserlebnis in Zukunft zwar digitale, nicht aber den Besuch eines Museums und die ausgestellten Artefakte vollständig ersetzen wird.
Meine Weiterqualifizierungsvorhaben untersucht aus der Perspektive des Ausstellungsgestalters, wie sich das Ausstellungserlebnis von Artekfakten im physischen Ausstellungsraum im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung verändern wird. Welche Vorschläge kann die Szenographie machen, um die Bedeutung der physischen Erfahrung von Artefakten sogar zu verstärken, indem sie das Ausstellungserlebnis in den digitalen Raum erweitert? Wie könnten gezielt Interaktionen zwischen dem analogen und digitalen Raum in der Ausstellungsarchitektur implementiert werden und wie könnten diese aussehen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, nähere ich mich dem physischen Ausstellungsraum aus verschiedenen Perspektiven an und erprobe Methodiken der Informationsvermittlung mittels digitaler und analoger Technologien. Dabei sollen zwei zentrale Fragen im Mittelpunkt meiner Untersuchung stehen: Welche digitalen Technologien der virtuellen Darstellung von Objekten und Raumerlebnissen werden längerfristig für die Disziplin der Ausstellungsgestaltung relevant? Welche Tendenzen können hier unter Berücksichtigung und Analyse von bereits bestehenden Ausstellungskonzepten aus den Vergangenen Jahren erkannt werden?