THE MAP IS THE METHODOLOGY
Erforschung kartografischer Visualisierungsstrategien als Werkzeuge für Wissen, Transformation und Dialog
Darauf war niemand vorbereitet. Register, Protokolle und Berechnungen in Lichtgeschwindigkeit erreichen jeden denkbaren Punkt der Erde [...] die Tiefenschärfe der Datenproduktion, Granularität genannt, unterläuft das menschliche Wahrnehmungsvermögen. Lernfähige Algorithmen stoßen auf Zusammenhänge in Daten, Korrelationen in Fakten, von denen sich keine Theorie bislang eine Vorstellung machte.«
Was Dirk Baecker so passend wie eindrücklich beschreibt, um die sogenannte digitale Transformation zu versinnbildlichen, verweist zugleich auf eine zentrale Herausforderung für Informationsdesigner:innen im 21. Jahrhundert: Immer größere Mengen heterogener, relationaler und zunehmend maschinell erzeugter Informationen treffen auf ein menschliches Wahrnehmungs- und Entscheidungsvermögen, das mit dieser »Tiefenschärfe« nicht ohne Weiteres umgehen kann.
Informationen müssen deshalb ausgewählt, geordnet, miteinander in Beziehung gesetzt und visuell zugänglich gemacht werden. Komplexität sollte hierbei nicht simplifiziert, sondern zugänglich gemacht werden.
Eine gestalterische Disziplin, die sich seit Jahrhunderten mit der Visualisierung von »Tiefenschärfe« auseinandersetzt, ist die Kartografie. Karten nutzen nahezu das gesamte Repertoire grafischer Darstellung: Schrift, Symbol, Linie, Farbe und Fläche werden auf engem Raum miteinander verbunden. Zugleich organisieren sie Information durch kartografische Verfahren wie Skalieren, Projizieren, Abstrahieren, Klassifizieren, Verorten und Relationieren.
Diese Mittel und Verfahren strukturieren nicht nur die Darstellung, sondern auch das Wissen, das durch sie sichtbar wird. Karten bilden Wirklichkeit daher nicht einfach ab. Durch Auswahl, Gewichtung, Relationierung und Perspektivierung bestimmen sie mit, welche Zusammenhänge sichtbar werden, welche Grenzen entstehen und aus welcher Position auf einen Gegenstand geblickt wird.
Im Zentrum der Forschung steht die Frage, wie kartografische Visualisierungsstrategien auch jenseits geografischer Räume eingesetzt werden können: als Methoden, um komplexe, relationale und multimodale Informationen zu organisieren, zu untersuchen und visuell zugänglich zu machen.
Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei miteinander verbundene Bereiche:
__Erforschung kartografischer Visualisierungsstrategien als Methode, um komplexe, nicht-geografische, relationale und multimodale Informationen zu organisieren und zu visualisieren
__Erforschung kartografischer Visualisierungsstrategien als (partizipatives) Werkzeug zur Wissensgenerierung
__Erforschung kartografischer Visualisierungsstrategien als Instrument kritischer Recherche und Repräsentation
Die Weiterqualifizierung entwickelt sich in einem rekursiven Verhältnis von Forschung, Lehre und gestalterischer Praxis. Erkenntnisse, Methoden und Fragestellungen werden in unterschiedlichen institutionellen und praktischen Kontexten in Teilprojekten erprobt und weiterentwickelt.
Links:
Re:connaissance – On Data, Design and Visual Representation
reconnaissance.robincoenen.de
Infoklasse
infoklasse.de
Robin Coenen
robincoenen.de