Geschlechtliche Vermessung – Fotografische Repräsentationen des Weiblichen in historischen Bildprogrammen und aktuellen künstlerischen Praktiken
Geschlechtliche Vermessung – Fotografische Repräsentationen des Weiblichen in historischen Bildprogrammen und aktuellen künstlerischen Praktiken
Künstlerisch-theoretische Lehrveranstaltung mit Heide Barrenechea und Nine Budde
In diesem Seminar wird nach der Zurschaustellung des Weiblichen im Medium der Fotografie gefragt. Dazu sollen fotografische Darstellungsformen in den Blick genommen werden, die sich im Zuge einer Institutionalisierung und Professionalisierung bestimmter Wissenschaftsdisziplinen im 19. Jahrhundert ausgebildet haben, deren formal-ästhetische Bildsprache indes noch in der Gegenwartskunst nachklingt, wie zeitgenössische fotografische Positionen eindrücklich zeigen. In diesem Sinne geht das Seminar anhand historischer Bildpraxen, mittels dokumentarischer Visualisierungsformen und aktueller künstlerischer Verfahren der Frage nach der fotogarfischen Inszenierung des Weiblichen nach. Von Interesse ist dabei zum einen, welche Semantiken aus Darstellungstechniken resultieren, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Kontext medizinischer, kriminologischer, kolonialer oder anthropologischer Zusammenhänge entstanden sind, und die aufgrund der vermeintlichen Authentizität des fotografischen Bildes eine wissenschaftliche Evidenz suggerierten – etwa Bildnisse psychisch kranker Frauen (z.B. Charcots Hysterikerinnen), Verbrecherfotografien, anthropologische Typenbildnisse oder koloniale Bildprogramme. Daneben gilt das Interesse aber auch zeitgenössischen
Fotografinnen und Fotografen, die derartige klassifizierende und normierende Visualisierungsformen in ihrer ästhetischen Praxis aufgreifen, mit diesen spielen, sie perpetuieren oder konterkarieren. Auf diese Weise charakterisieren sie die Frau als das ‚Andere‘ und/oder stereotype weibliche Darstellungsmuster um alternative Subjektentwürfe.