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Einstein-Circle "bod-y-motion"

Einstein-Zirkel bod-y-motion Karte
source: Désirée Meul

Einstein-Zirkel bod-y-motion

Ob als praktizierende Musiker*in, Produktdesigner*in oder Bildhauer*in, oder ob als praktizierende Chirurg*in, Chemiker*in oder Philosoph*in – unser Körper ist mit all seinem Wissen und all seinen Sinnen im Einsatz: Welchen Raum und Stellenwert haben körperliche und emotionale Elemente und Erfahrungen in Schaffens- und Forschungsprozessen sowie in unserem Wissensverständnis? Wie wird Wissen verkörpert? Wo beeinflussen Emotionen direkt oder indirekt das Arbeiten und Denken? Und wie nehmen aktuelle gesellschaftliche Veränderungen Einfluss darauf wie spezifische Arbeitsumfelder wiederum unsere Körper und Emotionen prägen? Welches Wissen tragen beispielsweise unsere Hände und ihre routinierten Bewegungsabläufe? Und welche Rolle spielen Berührungen in der Generierung von Wissen? Dürfen oder sollen gar Gefühle in unserer Arbeit und Forschung eine Rolle spielen und welches Wissen (über)tragen Emotionen?

Mit diesen Themen und Fragen beschäftigten sich insgesamt dreizehn Künstler*innen und Wissenschaftler*innen im Rahmen des von der Einstein Stiftung Berlin geförderten Einstein Zirkels bod-y-motion von Mai  2017 bis Dezember 2018. In vier intensiven Arbeitstreffen konzentrierten sich die Mitglieder des Zirkels auf diese Themenfelder, die bewusst danach ausgesucht wurden, dass sie eine eher persönliche und assoziierte Ebene berühren. So konnte  aus den ganz individuellen Erfahrungen, Arbeitsweisen und Expertisen eine Austauschplattform und ein Arbeitsnetzwerk entstehen, das über bereits bekannte Muster und Regeln – sei es aus den Künsten oder den Wissenschaften – hinausgeht.

Mitglieder des Zirkels bod-y-motion:
Prof. Dr. Marie Luise Angerer, Professorin fürMedientheorie und Medienwissenschaft  (Universität Potsdam)
Kerstin Berthold, Bildhauerin und Mitarbeiterin der Stabstelle Kommunikation (Helmholtz-Zentrum Berlin)
Dr.Tom Bieling, Designforscher (Design Research  Lab / Universität der Künste Berlin)
Prof. Dr. Matthias Drieß, Professor für Anorganische Chemie (Technische Universität Berlin)
Dr. Jenny Fuhr, Musikerin und Ethnologin (Berlin Centre für Advanced Studies in Arts and Sciences / Universität der Künste Berlin)
Prof. Dr. Barbara Gronau, Professorin für Theorie und Geschichte des Theaters (Universität der Künste Berlin)
Prof. Nik Haffner, Tänzer, Choreograph und künstlerischer Leiter des Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz HZT / Universität der Künste Berlin)
Prof. Dr.-Ing. Johann Habakuk Israel, Professor für Angewandte Informatik (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin)
Dr. Thomas Kammertoens, Krebsforscher am Institut für Immunologie (Charité - Universitätsmedizin Berlin)
Prof. Kora Kimpel, Professorin für New Media/Interface- und Interactiondesign (Universität der Künste Berlin)
Bernd Lintermann, Künstler und Wissenschaftler im Bereich Echtzeit-Computergrafik am Institut für Bildmedien (ZKM / Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe)
Prof. Dr. Oliver Rader, Physiker, Abteilung Materiealien für grüne Spintronik (Helmholtz-Zentrum Berlin)
Ulrike Sowodniok. Der Zirkel trauert um eines seiner engagierten Mitglieder. Die Sängerin, Stimmpädagogin und Stimmanthropologin ist Anfang des Jahres 2019 überraschend verstoben. Noch im Oktober 2018 schrieb sie in einer Mail an die Kolleg*innen des Zirkels:

 „Am glücklichsten waren für mich die Momente, in denen wir uns die Abwesenheit von Körper und Emotionen, die Schwierigkeit sie zu fassen und zu benennen, in allen anwesenden Wissenschaften und Künsten eingestanden. Genau an diesem Punkt möchte ich weiterarbeiten, er erscheint mir gerade erst errungen und sehr ergiebig.

Weitere Einblicke in Gedanken, individuelle Erfahrungen und Erinnerungen der Mitglieder des Zirkels gibt es hier.

Plakate Einstein-Zirkel bod-y-motion
source: Design: Paula Trimbur

Insgesamt fanden vier intensive Arbeitstreffen im Rahmen von bod-y-motion statt. Die ersten drei waren an einen öffentlichen Vortrag gekoppelt, der am Vorabend des Arbeitstreffen einen inhaltlichen Impuls setzte. Das vierte und letzte Arbeitstreffen diente der Reflektion und einigen perspektivischen Überlegungen.

Den öffentlichen Auftakt des Zirkels gab am 9. November 2017 Alva Noë,  Professor für Philosophie und Kognitionswissenschaft an der University of California, Berkeley. Er beleuchtete aus seiner Perspektive die Frage, wie Körper und Emotionen künstlerische und wissenschaftliche Praktiken - mal bewusst, mal unbewusst - formen. Gesellschaftliche Veränderungen nehmen täglich Einfluss auf uns und unser Tun, Denken und Fühlen. Und auch der Stellenwert, der Körper und Gefühlen zugeschrieben wird, unterliegt einem fortwährenden Wandel.

Einen kurzen Einblick in inspirierende Gedanken aus Alva Noë’s Vortrag gibt es hier.

Am 25. Januar 2018 war Dr. Martin Hirsch von der Parmenides Stiftung München Gast des Zirkels. In seinem Vortrag  Denken und Bewegen. Über konstellatives Denken in Kunst und Wissenschaft sprach er über seine Arbeiten im Bereich der Psychomotorik, Künstlichen Intelligenz und Denkaktivierung. Wie können wir z.B. Bewegung nutzen, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, aber auch Maschinen, neue Denk-Wege aufzuzeigen?

In seinem von Gedanken-Spielen und Denk-Bewegungen reich bestückten Vortrag befasste er sich u.a. mit Betrachtungen von Carl Zuckmayer und dem Tanztheater von Pina Bausch.

Bei einer letzten öffentlichen Veranstaltung am  14. Juni 2019 kam es unter dem Titel “Kollektive Körper – Vernetzte Gesellschaften” zu einem Dialog zwischen Prof. Dr. Gesa Ziemer (HafenCity Universität Hamburg) und Christina Landbrecht (zu diesem Zeitpunkt gerade neu berufene Leiterin des Kunst- und Kulturprogramms der Schering Stiftung Berlin). Die beiden tauschten sich aus zu Fragen, wie Raum/ Räume (auch Stadträume) unsere künstlerische bzw. wissenschaftliche Praxis wie z.B. das Experimentieren prägen, wie (Forschungs-) Räume/ -Umfelder unsere körperlichen bzw. emotionalen Zustände beeinflussen, was die Potentiale und Probleme der Künstlerischen Forschung sind bzw. welche Herausforderung sich in der Beziehung zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung stellen.

Einige anregende Gedanken dieses Gesprächs gibt es hier.

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