Archäologie des Selbst
„Die Gegenwart entsteht aus all ihren Vergangenheiten, die nicht abgeschlossen sind.“, heißt es auf dem Blog Geschichte der Gegenwart. Die Vergangenheit strukturiert die Gegenwart und somit auch uns selbst mit. Wer ich bin und wie ich die Dinge betrachte und angehe, hat nicht nur etwas mit ‚meiner‘ Geschichte zu tun, sondern auch damit, Teil welcher Erzählung diese ist: etwa von Generation, Migration, Rollenbildern, Wendezeit, Klassenaufstieg, Regionalspezifik, kulturellem Erbe, Fluchterfahrung, Pandemie u. v. a.
Das Seminar „Archäologie des Selbst” im Sommersemester 2021 beschäftigte sich mit Geschichtsbegriffen und Praktiken der Geschichtsschreibung. Einen besonderen Stellenwert nahmen dabei situierte Perspektiven ein, die die Differenz zwischen hegemonialer Geschichte und den Geschichten Einzelner markieren und zu Bewusstsein bringen, dass vergangene Machtverhältnisse bis in die Gegenwart hineinreichen. Umgekehrt strukturieren gegenwärtige Machverhältnisse gleichermaßen den Blick auf die Vergangenheit.
Schwerpunkte bildeten Theorien zu Geschichte, Archäologie und Schreiben als Subjektivierungspraxis; die Beschäftigung mit verschiedenen medialen Formen, die an der Überlieferung wie Herstellung von Geschichte mitwirken; sowie künstlerische Archäologien, Spekulationen und Gegenerzählungen. Ausstellungsbesuche und Gesprächsrunden in der Klosterruine ergänzen zusammen mit der Erprobung verschiedener Strategien des Geschichte(n)-Schreibens das Seminarprogramm.
Im Rahmen des Seminars wurden die Künstler*innen Dina Khouri und Enzo Camacho eingeladen.