Historie der Stiftung

Historisch gewachsen

Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben viele Privatpersonen der UdK Berlin (bis 2001 Hochschule der Künste / HdK Berlin) auf großzügige Weise Vermächtnisse von zum Teil erheblichem Umfang überlassen. Sie alle wurden mit Gründung der Stiftung der UdK Berlin im Jahr 2023 in die gemeinnützige Stiftung überführt. Damit lebt das Andenken an den Willen der Stifter*innen in der Stiftung der UdK Berlin weiter. Die Mittel stammen überwiegend aus privatem Vermögen, das von der Hochschule angelegt wurde und aus dessen Ertrag zum Beispiel Wettbewerbe in der Fakultät Musik finanziert werden.

Die Stiftung der UdK Berlin verwaltet darüber hinaus drei Treuhandstiftungen, die so angelegt sind, dass sie Studierenden, Nachwuchswissenschaftler*innen und -künstler*innen noch bessere Studien- und Forschungsmöglichkeiten bieten. In der Fakultät Bildende Kunst sind es derzeit die Vermächtnisse von ehemaligen Professoren und Alumni der Hochschule, die in Form von Preisen an Studierende vergeben werden können. Ermöglicht wird dies durch die Ursula Hanke-Förster Stiftung, die Ulrich-und-Burga-Knispel-Stiftung und die Helmut-Thoma-Stiftung. 

Schon im 19. Jahrhundert, durch Wohlstand und das Mäzenatentum einiger Berliner*innen, entstand ein großes Stiftungsvermögen, das auch den Hochschulen und damit den Vorgängereinrichtungen der UdK Berlin zugeflossen ist. So richtete der Preußische Staat schon in den 1870er Jahren ein Stipendium für junge Musiker*innen ein. Das war die Gegenleistung dafür, dass die Kinder von Felix Mendelssohn Bartholdy den Nachlass des Komponisten der Königlichen Bibliothek übergaben. Einer der bedeutendsten Geiger des 19. Jahrhunderts, Joseph Joachim, hatte dies als Direktor der Musikhochschule Berlin (heutige UdK) vermittelt und ausgehandelt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde zunächst der Name „Mendelssohn“ verschwiegen, schließlich wurde der Wettbewerb nicht mehr durchgeführt. Ein Vertragsbruch, da der Preußische Staat es dauerhaft eingerichtet hatte. Erst in den 1960er Jahren haben sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Rektorenkonferenz der Musikhochschulen dazu entschlossen, den Wettbewerb wieder durchzuführen und damit dem Stifterwillen gerecht zu werden. Der Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb wird jährlich an der UdK ausgerichtet.

Stifter*innen sind vielfach ehemalige Professor*innen, Musiker*innen, Künstler*innen oder Besucher*innen mit einem Bezug zu Berlin und den Vorgängerinstitutionen der heutigen Universität. So zählt der Komponist und ehemalige Professor der UdK Berlin, Aribert Reimann, zu den prominenten Stiftern. Dank seines Vermächtnisses kann bereits seit 2006 ein Stipendium zur Förderung des Zeitgenössischen Liedes an der Hochschule vergeben werden.

Auseinandersetzung mit der Geschichte

Die Institutionsgeschichte der UdK Berlin und ihrer vorangegangenen Einrichtungen, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht, wird bereits seit einiger Zeit intensiv erforscht. Dabei rücken Akteur*innen, Gebäude und Sammlungen in den Fokus.

Gefragt wird insbesondere nach der Rolle der Hochschule in der Weimarer Republik, während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Untersucht werden auch mögliche NS-Verstrickungen von Stifter*innen, die ihre Vermächtnisse der Hochschule zur Förderung von Studierenden hinterlassen haben.

Die Recherche zeigt das umstrittene Erbe eines ehemaligen Professors der Architektur: Paul Baumgarten, der u.a. den Konzertsaal der UdK Berlin und das Eternithaus entworfen hat, war von 1952 bis 1968 Professor an der Vorgängerinstitution der UdK Berlin. Das Vermächtnis von Prof. Baumgarten ermöglichte es der Hochschule, 1987 die Margot und Paul Baumgarten-Stiftung zu gründen, die mittlerweile in die Stiftung der UdK Berlin aufgegangen ist.

Jahre später beschäftigten sich Studierende mit der Berliner Architektur- und Alltagsgeschichte während des Nationalsozialismus und so auch mit dem ehemaligen Professor. Paul Baumgarten war zwölf Jahre lang Mitglied der NSDAP, zwei Jahre davon im SS Motorsturm. Es wurde diskutiert, ob das Paul-Baumgarten-Stipendium, das aus den Stiftungsmitteln finanziert wird, noch weiter vergeben werden kann. In der Debatte entschloss sich ein*e ehemalige*r Preisträger*in, das damals erhaltene Preisgeld der Margot und Paul Baumgarten-Stiftung zurückzugeben und damit eine machtkritische Auseinandersetzung mit der Rolle von Architekt*innen zu fördern. Der Fachschaftsrat Architektur lobte aus den Mitteln 2023 einen Wettbewerb aus. Beantwortet wurden die Fragen: Welche Verantwortung tragen wir als Architekt*innen für den Beruf und die Gesellschaft? Wie können wir in bestehenden Abhängigkeiten nach moralischen Überzeugungen agieren, welche Abhängigkeiten können wir überwinden?

Dieses Beispiel für eine gelungene Auseinandersetzung mit einem Erbe macht deutlich: Der Stiftung ist es eine selbstverständliche Verpflichtung, die Herkunft aller Spendengelder, Zustiftungen und weiteren Unterstützungen zu prüfen. Um diese Forschungsarbeit transparent zu halten, sollen auf dieser Webseite Ergebnisse nach und nach veröffentlicht werden. Das Universitätsarchiv der UdK Berlin widmet sich, unter Hinzuziehung des Landesarchivs Berlin und des Archivs der Akademie der Künste, dieser Recherche.

Derzeit kann festgehalten werden, dass das Stiftungsvermögen einer ehemaligen Treuhandstiftung aus Anteilen an Unternehmen stammt, die in der Zeit des Nationalsozialismus zum Teil Zwangsarbeiter*innen beschäftigt haben und in der Rüstungsindustrie tätig waren. Dieser Nachlass macht rund 1 % des gesamten Vermögens der Stiftung der UdK Berlin aus.